Lügen haben gar keine Beine

>> Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. <<

(Mark Twain, Schriftsteller)

Ein Zitat, das mit aus der Seele spricht.

***

Verschenkte Lebenszeit – wo ist nur die Zeit geblieben?

Konsequent abgeschafft. Vorgestern deinstallierte ich WhatsApp. War eh nicht mehr meins, seit Facebook es kaufte. Einige „bedauern“ es. Sie könnten mich ja jetzt gar nicht mehr „so leicht erreichen“, wurde mir erklärt. „Sie fänden WhatsApp so praktisch. Man könne mal so eben und schnell und würde doch immer im Kontakt sein und bleiben…“ „Greif zum Telefonhörer“, war meine Reaktion. „Oder schreibe mir einen Brief, wenn es nicht so eilig ist. Meinetwegen auch eine E-Mail.“

Wieso ich mich davon trennte? Die „aktuelle Version war abgelaufen“ und ich sollte mich jetzt hier und dort anmelden, ein Konto einrichten und blablabla. Das wollte ich aber nicht und ich spürte, wie mir da mal wieder ein gewaltiges Stück meiner kostbaren Lebenszeit gestohlen werden sollte.

Dieses Gefühl, man würde sonst nicht dazugehören. Man würde abgehängt werden. Man würde etwas verpassen. Man würde … so ein Quatsch!

Ja, ich geistere auch im Internet herum, immerhin blogge ich und das mit Begeisterung und Leidenschaft! Ich finde es großartig, mich mit Euch hier auszutauschen und entdecke so wirklich interessante, wundervolle, spannende, liebenswerte Menschen. Es gibt auch Dinge, die ich abonniert habe, weil jene Menschen für mich sehr interessante Dinge erklären, preisgeben, mitteilen… Auch wenn ich etwas wissen will, bietet das Internet schnelle und kompetente Antworten und Lösungen.

Doch Facebook, Google (im vollen Umfang) und so, die brauche ich echt nicht.

So habe ich schon vor längere Zeit angefangen, mich zu lösen. Facebook flog raus. Andere – wie Instagram und wie sie alle heißen – kamen gar nicht erst rein.

Ich bin auf dem Weg zurück zur Realität. Zum Leben. Ich schreibe vermehrt Briefe oder Postkarten – ja, mit der Hand! (Habe ich übrigens immer mal wieder zwischendurch gemacht. Und ich habe aus dem Urlaub noch nie Grüße per WhatsApp verschickt…). Ich treffe Menschen so in echt und richtig und ich telefoniere.

Mich erschreckt es, wie viel die Menschen heute per Nachrichten austauschen. Da werden Bestellungen per WhatsApp verschickt. Absagen von schon zugesagten Jobs werden per WhatsApp-Nachrichten versendet! Beziehungen beendet man ja heutzutage auch schon so… Wenn man meint, man müsse sich mal wieder melden – Nachricht versenden – und das Gewissen ist beruhigt…

Sind das nährende und liebevolle Umgangsformen?

Oh, ich liebe es geradezu, mich schriftlich mit jemanden auszutauschen! Das kann mich durchaus in meinem Schreibfluss beflügeln! Da kann man auch durchaus tiefe Verbindungen zu einem Menschen aufbauen und es können daraus sogar echte Freundschaften entstehen. Vorausgesetzt man schreibt echt und versucht nicht jemanden darzustellen, der man gar nicht ist. Das liegt nicht jedem. Ich meine, so zu schreiben, wie man auch ist und spricht. Es gibt Menschen, die haben eine Art zu schreiben und eine andere, zu sein….

***

Selbstbestimmte Lebenszeit – ich hole mir meine Zeit zurück!

Es ist ja weitreichend bekannt, dass das kostbarste Gut, was der Mensch aktuell zu geben hat, seine Zeit ist. Man versucht alles, um die Aufmerksamkeit eines Menschen einzufangen und an sich zu binden. Wem das gelungen ist, geht als Sieger aus dem Ring und ist der Gewinner.

Mal ehrlich, wie viele Stunden täglich, verbringt der einzelne Mensch vor seinem Laptop, Computer, Handy, Mobile-Phone, Smartphone, iPad, iPhone und wie sie sonst noch so heißen? Wie viele Stunden verbringst du damit?

Wie oft „checkt“ man seine E-Mails, Nachrichten, Beiträge, Kommentare… wie oft recherchiert man nach belanglosem Kram? Wie oft surft man einfach von Seite zu Seite. Wie oft spielt man Online-Spiele? Wie lange täglich? Dann die Zeiten, wo man „aktualisieren“ soll. Konten einrichten. Datenbestimmungen und dergleichen lesen und zustimmen… So viele Stunden. So viel Zeit.

Und wir beschweren uns darüber, dass die Zeit so schnell verfliegt. Dass wir gar keine Zeit mehr haben für …

Oh, nicht alle sind so. Nicht alle lassen sich von den Sozialen Medien und dem Internet im Allgemeinen einfangen. Doch vielleicht hier und da ein bisschen …?

Ich habe mir vor ein paar Wochen ein zweites Handy zugelegt. So eins, wie wir es vorher auch hatten. Man kann damit telefonieren und mal eine SMS versenden. Fotos könnte ich damit auch noch machen. Fertig. Da gibt es kein Internet und somit keine Apps, die ich runterladen könnte. Ich kann nicht einmal mehr – ganz aktuell, von jedem Ort – meine E-Mails „checken“.

 *** Das befreit ungemein. ***

Schon seltsam, was einem alles so einfällt, wenn man auf so ein Zitat stößt.

Und jetzt werde ich gleich mit dem Fahrrad zu unserem Grundstück fahren. Wird eine ordentlich lange Radtour werden. Heute Morgen – ich war kurz mit dem Auto dort – waren sie beim Verfüllen mit Sand. Jetzt sollten sie mit allem fertig sein.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

P.S.: Laut einer Studie liegen die Deutschen mit ihrem täglichen Internetkonsum noch unter dem Durchschnitt. Doch die knapp 4,5 Stunden am Tag empfinde ich immer noch als erschreckend hoch – und ich bin mir nicht sicher, ob das E-Mail- und Nachrichten-„Checken“ dazugezählt worden ist. Das ging aus dem Bericht, den ich las, nämlich nicht hervor.

Die Frage – wo ist die Zeit geblieben – erscheint mir sinnvoll zu sein…

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

© Kaya Licht

15 Comments

  1. Ich habe gar kein modernes Handy. Meines hat im Elektrogroßhandel 17,50 Euronen gekostet. Ich kann damit SMSen verschicken, telefonieren, rechnen, es hat einen Wecker und einen Kalender. Passt. Mehr brauche ich nicht. Und die Leute, die permanent auf ihr „Mäusekino“ starren, anstatt sich der Umgebung zu widmen, tun mir ungemein leid. Weil sie so viele Schönheiten ringsum verpassen. 😉
    Und wer meint, dass ich für ihn unerreichbar sei, weil ich nicht WhatsApp, Instagram, Tiktok etc. nutze, und nicht dazu in der Lage ist, mittels Anruf oder Schreiben Kontakt mit mir zu halten, ist meine Freundschaft gar nicht wert. 😉
    Sei lieb gegrüßt!

    Gefällt 3 Personen

  2. Da steht doch eines der schönsten Zitate ganz oben: ..mit den wenigsten Lügen am längsten auskommen. 😉Und die Frage, wo die Zeit geblieben ist muss man gar nicht erst stellen. Die ist eh´vorbei. Wichtiger ist es doch, die kommende Zeit mit Leben zu erfüllen. Alles andere wäre ja nur Dasein. Aber bei Euch hat ja gerade ein spannender Abschnitt begonnen.. LG Jürgen

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    1. Oh wie schöne Worte, lieber Jürgen!
      Mein Mann kam gestern Abend noch spontan hierher, weil es mir dann doch schwerfiel zu entscheiden, ob die Höhe des Sandes unter der zu schüttendenden Bodenplatte hoch genug gewählt war. Darüber freute ich mich natürlich sehr! So konnte er sich das Spektakel selbst ansehen, ein Gespräch mit dem Baggerfahrer führen und dem Mitarbeiter der Firma, die unser Haus bauen soll. Außerdem wirkt die Realität doch gleich noch mal ganz anders, als die Fotos, die ich ihm sendete.
      Ja, es ist alles superspannend! Sie sind heute mit dem Aushub und Verfüllen fertiggeworden. Nun warten wir auf den nächsten Schritt.
      Liebe Grüße, Kaya

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  3. Liebe Kaya.
    Lügen sind für mich schon immer ganz schrecklich und fast nicht entschuldbar. Das Zitat konnte ich jetzt jedoch irgendwie nicht so wirklich mit deinem Bericht hier in Zusammenhang bringen.
    Mag sein, dass du zum Beispiel mit löschen von WhatsApp etwas mehr Zeit für dich gewonnen hast. Nur würdest du dadurch nicht auch so einiges verlieren, wenn du eben nicht mehr so spontan und vor allem Zeitnah mit Freunden oder Familie Verabredungen und mehr treffen, auch tolle Bilder deiner Lieben aus der Ferne erhalten kannst!?
    Ich selbst bin auch weder bei Facebook noch Instagram & Co und werde es auch niemals sein. Aber WhatsApp ist mir selbst schon sehr wichtig, weil meine Freunde, Geschwister und vor allem auch Kinder nur so wirklich gut und jederzeit erreichbar sind, was für uns sehr wichtig ist. Meine Tochter entfernte auch WhatsApp auf ihrem Handy, aber installierte dafür „Telegram“ weil angeblich abhörsicher.
    Google kann sehr nützlich und hilfreich sein, mitunter auch sehr viel wertvolle Zeit sparen und ansonsten muss man eigentlich nicht radikal auf alles technische verzichten, wenn man sich selbst gut im Griff dabei hat.
    „Zurück in die Vergangenheit und Stillstand“ anstatt vorwärts in positive Richtungen würde das für mich bedeuten. Aber jeder macht seine eigenen Erfahrungen und auch Vorgaben für sich, seinen Weg denke ich.
    Na denn viel Spaß ohne Ärger mit eurer Baustelle wünsche ich noch hier und liebe Grüße von mir zu dir. 🌞🌻🍀

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    1. Hallo liebe Hanne,

      danke für deine ausführliche Reaktion und deine offene und ehrliche Meinung und Mitteilung deiner Einstellung. Ich kenne mehrere, die so denken und sprechen wie du.

      Wie ich bereits erwähnte, fühlte es sich für mich nicht mehr gut an, seit Facebook das Ruder über WhatsApp übernommen hat – und dann noch die Erfahrung, dass man „unliebsame“ Nachrichten nicht versenden konnte.

      Wir wissen doch alle, dass unsere Nachrichten über WhatsApp, Facebook und dergleichen mitgelesen werden. Ein Programm überprüft in Windeseile die Texte nach bestimmten Begriffen und so weiter. Ob das bei anderen Apps, die ähnliche Optionen anbieten, wirklich anders ist, weiß ich nicht. Ist mir, ehrlich gesagt, auch egal. Wenn mir jemand eine Nachricht senden möchte, kann er das doch per SMS tun.

      Ansonsten, ich bin (fast) immer erreichbar. Ausnahmen: Ich habe mein Handy nicht dabei oder ich sitze auf Klo. Beides kommt vor. Ansonsten gibt es doch immer noch so viele Optionen, mit mir in Kontakt treten zu können: Telefon, Handy, E-Mail, Post, SMS, Treffen. Ich finde das schon beträchtlich!

      Dann will ich auch gar nicht immer erreichbar sein. Da ist so ein Anspruch entstanden, dass man das immer sein müsste. Ich will auch gar nicht ständig von allen immer irgendwelche Fotos zugeschickte bekommen. Ich finde es viel schöner, wenn ich diese Person(en) besuche und sie mir diese dann vor Ort zeigen und vielleicht sogar noch persönlich etwas darüber erzählen.

      Deine Meinung, dass das mit „zurück in die Vergangenheit und Stillstand“ gleichzusetzen ist, teile ich nicht. Ich löse mich einfach von Abhängigkeiten und der Lüge, man bräuchte das, um mitzuhalten oder – Deinen Worten entnehme ich auch, dass die Nutzung von WhatsApp gleichzusetzen ist mit vorwärts und positive Richtung. Also bewegt sich jemand, der nicht WhatsApp nutzt in eine negative Richtung?

      Nun, das ist halt deine Sicht der Dinge und dein Nutzungsverhalten, das übrigens sehr viele teilen – und das andere ist meine Sicht der Dinge. Da gibt es nichts, was sich bewerten ließe. Es ist schlicht und ergreifend neutral. Der eine macht es so, der andere so.

      Wo stecken nun die Lüge und die Wahrheit in dieser Geschichte? Wieso dieses Zitat?
      Das hat etwas mit meiner Einstellung und meinen Erkenntnissen – die für mich gelten – zu tun. WhatsApp ist für mich keine Erleichterung oder Verbesserung meines Lebensgefühls, wie es doch im übertragenen Sinne gern suggeriert wird und wie es wohl auch viele empfinden. Ob es so ist und die Wahrheit sich irgendwann offenbart, wird sich zeigen…

      Schön, dass es Dich hier gibt und ganz liebe Grüße von mir an Dich, Kaya

      Gefällt 1 Person

  4. Hallo Kaya,
    Per WhatsApp war ich mit meinen „Nicht mehr Freundinnen“ ständig im Kontakt. Dachte es wären meine besten Freundinnen. Aber es war alles nur oberflächliches getippe ohne es ernst zu meinen 😪
    Ich nutze es immer noch, aber nicht mehr so intensiv. Und ihre Tel.-Nummern habe ich gelöscht.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo liebe Monika,
      danke für Deinen Kommentar.
      Vermutlich hätte ich WhatsApp auch noch, wenn es nicht hätte aktualisiert werden müssen und mir dieser Vorgang so viele Schwierigkeiten bereitet hätte und ich dann einfach nur noch genervt gewesen wäre und keine Lust mehr hatte, dass mir dieser ganze technische Kram ständig Stunden meiner Lebenszeit kostete.
      Dabei dachte ich sowieso schon häufiger darüber nach, mich davon zu trennen. Das war dann jetzt „das Zeichen“, um dieses Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen.
      Ansonsten, wie schon erwähnt – man kann mich doch (fast) immer erreichen … 🙂
      Das mit den vermeintlich besten Freundinnen klingt nicht gut. Du hast mein Mitgefühl. Solche Erfahrungen gehören wohl – leider – zum Leben. Könnte man allerdings sehr gut drauf verzichten. Ich wünsche Dir, dass Du Deine wahren guten / besten Freundinnen inzwischen für Dich hast erkennen können.
      Für Dich noch einen schönen Sonntagabend und liebe Grüße, Kaya

      Gefällt 2 Personen

      1. Hallo Kaya,
        seine wahren Freunde erkennt man wenn es einem schlecht geht 🤔
        Wer sich darüber aufregt, das man lange nicht zum Kartenabend erschienen ist, aber informiert worden war, das man schwer krank ist und fast gestorben wäre, gehört eindeutig nicht dazu.
        Ich hatte den Mädels noch eine Change gegeben. Dachte ich hätte alles nur falsch verstanden. Aber unsere Treffen wurden immer „blöder“. Und als die anderen meinten, wir müssten unbedingt gemeinsam eine Woche in den Ferien wegfahren, mein Teamleiter mir den aber nicht vorab genehmigen wollte, habe ich meine Mitgliedschaft – übrigens per WhatsApp – beendet. Die sagten mir tatsächlich: „Dann musst du zum Abteilungsleiter gehen!“ Als ob unsere „Tussentour“ ernsthaft Vorrang vor einem Familienurlaub in den Ferien haben könnte 😱
        Dabei hätte es nur noch eine Woche bis zu unserem Urlausbsabstimmungstermim gedauert. Da nehmen bei uns alle dran teil. Jeder gibt seine Wünsche kunt und die Kollegen entscheiden gemeinsam was machbar ist.
        Ach – die Kollegen hätten es übrigens machbar gemacht 🤣
        Ich wünsche dir einen schönen Tag.
        Liebe Grüße
        Monika

        Gefällt 1 Person

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