Ein Duft von Sommer in Bildern

Es ist ein Tag im Juli. Sommer. Eigentlich. Es ist auch irgendwie Sommer, aber irgendwie auch nicht. Der Wind ist frisch, der Himmel zeigt mal Sonnenstrahlen und dann wieder dicke Wolken. Es ist aber trocken und ich will endlich mal wieder raus. Ein paar Tage Sturm, Regen und Kälte und schon schare ich mit den Füßen, weil es mich nach draußen zieht. Nicht nur auf den Hof und in den Garten. Raus in die Natur, meine ich.

So ziehe ich mir eine wind- und regenfeste Jacke an – man weiß ja nie – und stapfe los.

Auf dem Weg stoben eine Menge Gedanken durch meinen Kopf. Sie kommen, wenn ich etwas entdecke und sehe und sie kommen auch einfach nur so, wenn mir beispielsweise etwas einfällt.

Während ich so die Strecke entlanggehe, frage ich mich, was ist der Unterschied zwischen einem Spaziergang und einer Wanderung? Ist es die Schnelligkeit? Ja, wer kann mir die Frage beantworten? Natürlich könnte ich jetzt auch im Internet recherchieren, doch mich interessiert, wie man welches Wort fühlt. Ja richtig, fühlt. Worte kreieren doch auch Gefühle, zumindest bei mir. Deshalb kann ich mit den englischangehauchten Wörtern, die jetzt unsere deutsche Sprache immer mehr überschwemmen, so gar nichts anfangen. Sie lösen überhaupt keine Gefühle in mir aus. Sie sind wie tote Materie.

Schon an anderer Stelle erwähnte ich meine Gedanken und Gefühle über Kindheit und Jugendzeit auf der einen und dem erwachsenem Sein auf der anderen Seite. Und nachdem ich darübergeschrieben hatte, stolperten noch so einige Gedanken und Gefühle mehr durch mich hindurch und ich versuchte dem Allen hinterherzulaufen, was mir jedoch nicht in jedem Fall gelang. Dann versuchte ich so ein Gesamtkonstrukt hinzukriegen. Glaubt mir, wenn ich da draußen in der Natur unterwegs bin – oder unter der Dusche stehe – dann habe ich die besten Einfälle und die fantastischsten Formulierungen parat. Es sind geradezu Kunstwerke, die ich da hinbekomme. Doch wenn ich erst wieder hier vor meinem Laptop sitze und die Finger über die Tasten flitzen, dann macht mein Gehirn oft einfach ein Nickerchen und lässt sich selbst durch ein Posaunenkonzert nicht zum Wachwerden bewegen. Dann bin ich selbst gezwungen, mir Formulierungen zusammenzukratzen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend. Hm, gerade frage ich mich, ob es sich um mein Gehirn handelt, was diese großartigen Einfälle hat oder ein anderes Teil von mir…

Der Spaziergang oder die Wanderung – ich bin mir da ja immer noch nicht so sicher – war wieder ganz nach meinem Geschmack. Ich konnte den Sommer so richtig fühlen. Der Duft von Sommer berührte mich an allen Ecken. Sommer heißt Leben. Sommer heißt Fülle. Sommer heißt Überfluss. Sommer heißt viel.

Da habe ich für mich erkannt, dass in den Momenten, in denen ich mich auf die Schönheit des Seins oder auch der Schönheit dessen, was die Natur uns so reich beschenkt einlasse und diese mit allen meinen Sinnen wahrnehme, dass ich genau in solchen Augenblicken diese tiefe Demut in mir wahrnehme. Ein Schauer durchläuft dann meinen Körper, eine tiefe Zufriedenheit durchströmt mich und ein Gefühl von Glück sowieso, aber hauptsächlich ein Gefühl von dem Wissen, dass alles gut ist. Da ist dann kein Streben mehr nach irgendwas. Da ist kein Mangeldenken. Da ist kein Habenwollen. Da ist einfach nichts mehr, außer dieser Größe des Augenblicks, das EinSein mit der Welt, der Natur, dem Leben.

Klingt das übertrieben?

Mir wird dann auch jedes Mal bewusst, dass dieser Gefühlszustand für mich früher ein alltäglicher und normaler Zustand gewesen ist. Ein Zustand fernab des Lebens, in dem ich sonst lebte. Es war der Zustand, in dem ich mich immer befand, wenn ich für mich war und wenn ich, wie so oft, draußen in der Natur unterwegs gewesen bin.

Gestern wurde mir auch erneut klar, dass wir das ganze Treiben, den ganzen Konsum, das ganze Anhäufen von Besitztümern gar nicht brauchen. Es schafft Abhängigkeiten und den Druck und den Zwang dafür arbeiten gehen zu müssen. Als Kind und Jugendliche kannte ich dieses Treiben nicht.

Umso mehr wir habenwollen und uns anschaffen, umso mehr Verbindlichkeiten gehen wir ein… Freiheit geht verloren. Unabhängigkeit hängen wir an den nächsten Nagel und begeben uns direkt in die Abhängigkeit. Sollten wir uns das nicht immer wieder ins Bewusstsein holen?

Oh, ich bin nicht für Besitzlosigkeit! Irgendjemandem würde dann ja doch alles irgendwie und irgendwo gehören… Doch wo ist die Grenze zwischen dem, was der Mensch braucht und dem, was zum Konsumterror zählt, der letztendlich die Welt zerstört?

Während ich gestern dahinging und das Grün sah, welches sich seinen Weg durch die verdichtete Straße bahnte, dachte ich darüber nach, dass wir es niemals schaffen werden, die Natur zu zerstören. Sie wird immer wieder einen Weg finden, sich neu zu erschaffen, selbst dann, wenn es den Menschen schon lange nicht mehr geben wird. Auch dann, wenn er alles vergiftet, verschmutz, zugemüllt, verdreckt und verseucht hat. Die Natur wird zurückkehren, wenn vielleicht auch in veränderter Form. Was der Mensch zerstört, ist seine Lebensgrundlage. Er verseucht Luft und Wasser und verdreckt und vergiftet Grund und Erde und er verdichtet den Boden, der irgendwann nicht mehr atmen kann. Ach, ich muss es euch nicht mehr aufzählen.

Ja, solche Gedanken hatte ich gestern auch, während ich dort entlang ging und diese Kleinigkeiten entdeckte.

Die Natur beschenkt uns so reichlich! Sie ist in der Lage unsere Sinne zu wecken und zu berühren, so dass diese längerfristig genährt sind. Das schaffen die Konsumgüter nur selten. Die Natur lässt uns ganz frei und kostenlos an ihren Düften riechen, auf ihren Wiesen Platz nehmen, unter einem Baum verweilen, von ihren Bächen Wasser nehmen, um den Durst zu löschen oder sich abzukühlen. Sie schenkt uns Farben und Gerüche. Sie spendet uns wohlige Momente. Sie bietet Kraftorte. Sie gibt uns Boden, auf dem wir Häuser errichten können und Felder bestellen. Sie verleiht uns Bäume, die uns die Luft reinigen, kühlen und Atem schenken. Sie lässt uns auf ihre Berge klettern, in ihren Meeren und Seen baden, sie schenkt uns Nahrung und Wasser zum Trinken, sie lässt uns in ihren Wäldern Kraft schöpfen, uns abkühlen, die Seele gesunden. Sie schenkt Entspannung, Gesundung, Heilung.

Mir fehlen die Worte.

Dann fallen mir „Brot und Spiele“ ein. Das Volk bei Laune halten. Bei der Stange halten, kommt jetzt auch noch hoch. Was wäre, wenn alle Menschen sich plötzlich auf den Ursprung zurückbesinnen würden? Wenn der Konsumterror aufhören würde? Wenn die Menschen das Spiel nicht mehr mitspielen würden? Wenn sie einfach das Spielfeld verlassen würden? Ja, was wäre dann?

Ja, das und noch viel mehr fiel mir gestern ein und dazu diese Demut und der Genuss von alledem, was ich sah und roch und fühlte und berührte… Das Leben ist einfach schön, wenn wir uns dem Leben zuwenden und es begrüßen – glaube ich.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

28 Comments

  1. Das sind ja jede Menge Gedankengänge, die dir durch den Kopf gehen, liebe Kaya und sehr schön, vor allem auch interessant zu lesen!
    Für mich persönlich ist eine Wanderung mit viel Zeit, über Stock und Stein, möglichst mit kleiner Brotzeit in der Tasche und viiiiel frischer Luft weit draußen in der schönen Natur verbunden. Alles andere sind somit Spaziergänge, die ja auch sehr schön und wichtig sind.
    Liebe Grüße von Hanne und hab noch einen richtig schönen Tag! 🌻🍀🌞

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  2. Wunderschöne Fotos, es war schön, Dich zu begleiten auf Deinem Ausflug. Ist es eine Wanderung oder ein Spaziergang? Egal. Der Weg war Dein Ziel und die Eindrücke und Gedanken waren einzigartig…

    Ich komme auch gerade von meiner Laufrunde zurück und genieße es regelmäßig, alleine mit meinen Gedanken zu sein, den Vögeln zuzuhören, das Rauschen des Winds durch den Wald, durch den jetzt schon wieder mannshohen Mais… wunderbar.
    Liebe Grüsse

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    1. Das ist sicherlich richtig – doch es ging mir auch um das Gefühl, was ich damals in mir trug. Diese Sorglosigkeit, diese Freude am Sein – und dieses Gefühl und diese Freude empfinde ich halt wieder, wenn ich da draußen unterwegs bin und mich einfach mal ganz und gar auf die Natur einlasse.
      Wir leben jetzt häufig so sehr in unseren Sorgen und Problemen. Wir lassen uns von den Nachrichten, die in der Regel negativ geprägt sind, leiten, dass dieses Wunder leicht in Vergessenheit gerät.
      Weißt Du, wenn ich heute die Nachrichten einschalte, überfallen mich sofort Dinge, die angeblich alle schlecht sind und was alles „gemacht werden MUSS“. Wenn ich dann da raus gehe, den Wind in den Bäumen höre, die Vögel in den Büschen lärmen, ein Schwarm über mir hinweg fliegt, ich die vielen Düfte von Blüten und Gräsern einatme, den Blick schweifen lasse, die Sonne durch die Blätter tanzt … es lässt sich scheinbar schwer erklären … worauf richten wir unseren Blick? – gerade als Erwachsene?

      Ich will die Sorgen und Nöte, die Probleme und Schwierigkeiten, die Hindernisse und Hürden, die das Leben uns präsentiert, nicht kleinreden … ach, es ist aber manchmal auch schwer mit dem Erklären und Deutlich-machen.

      Wenn ich schwanger bin, sehe ich nur schwangere Frauen. Wenn ich einen bestimmten Autotyp kaufen will, sehe ich nur noch diesen Autotyp.
      Ich weiß einfach, dass ich das, was ich damals in meiner Kindheit und Jugendzeit als wunderschön empfand und was mir jetzt als Erwachsene häufig gefühlsmäßig verloren ging, wiederholen und wieder erleben kann – jederzeit. Und die Natur ist ein fantastischer Wegbereiter, um ganz leicht dorthin zu gelangen.
      Besser kann ich es jetzt nicht erklären.

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  3. Nur Natur geht aber auch nicht. Und auch nicht Null Habenwollen. Glücklicherweise ist es möglich Natur und Besitz in Einklang zu bringen. Man muss es nur wollen. Grausen tut es mir nur von den einseitig ideologisch geprägten Null kompromissbereiten, Giftgrünen Öko Fuzzies (die dann aber selbst die meisten Flugmeilen auf ihrem Konto haben). Und ob Wandern, Spazierengehen oder gar Pilgern – wichtig ist dich nur was man dabei spürt oder auch denkt. Geniesse den Sommer und den Sommerwind☺️

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    1. Oh, Du hast es schön auf den Punkt gebracht! Das Gleichgewicht ist entscheidend, das stimmt. Und natürlich geht nur Natur auch nicht – wir wollen doch nicht in hohlen Bäumen schlafen oder in Höhlen oder unter Erdhügeln … ;-).
      Und das mit dem „man muss es Wollen“, ist wohl auch entscheidend. Und dann danach handeln. 🙂

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    2. … und dann noch etwas zur Begriffsfindung. Für mich sind ja Worte sehr oft von einem Gefühl geprägt. So fühlt sich laufen anders an als rennen oder hetzen, obwohl, wenn ich jemand dort lang“laufen“ sehe, ich nicht sofort erkennen kann, ob er „nur“ läuft oder doch rennt oder hetzt.
      Wenn man schreibt, macht das aber für den Leser einen Unterschied aus. Es fühlt sich beim Lesen anders an, sicher unbewusst.
      So kam ich halt – für mich – auf den Gedanken, den Unterschied gern wissen zu wollen. Spazierengehen oder Wandern und Du bringst jetzt noch das Pilgern mit rein. Mehr Hintergrund gibt es da – für mich – gerade gar nicht.
      Vermutlich ist es tatsächlich so, wie Hanne es schrieb. Wandern ist mit viel Zeit, Stock und Stein sowie Proviant und alles andere ist Spazierengehen. Pilgern ist dann halt noch ein bisschen mehr, als Wandern … so ungefähr. Ich brauche erstmal einen Kaffee, um weitere Denkweisen vollbringen zu können.

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  4. Geniesse den Kaffee, den Tag und das Leben. Und das Kind „Bewegung“ braucht dann auch keinen Namen☺️ Bei dem, der selbst, wenn auch nur gelegentlich, unterwegs ist , kommen Deine Beschreibungen schon richtig an👍

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          1. Alles nur Übungssache. Ob „Steifen Grog“ oder den „Klaren aus dem Norden“☺️ Als Kälteschutz ☺️ Ansonsten die täglichen Entscheidungen: rot oder weiß ☺️☺️

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          2. *Hahahahaha* … Oh, da hab ich ja echt was verpasst in meinem Leben … kann ich das Studium jetzt auch noch machen oder ist es dafür schon zu spät … ? … 😉

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  5. „EinSein mit der Welt, der Natur, dem Leben.“
    Genau das ist es, was das Leben lebenswert macht . Wunderschönes Zusammenspiel in Bild und Wort . Ich freue mich, dass ich diesen Blog gefunden habe. Danke.

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