Eine unheimliche Nacht in Nordfriesland

Dass das sommerliche Wetter es sich anders überlegt hat und wir nun an vielen Orten wieder im tiefsten Herbst zu stecken scheinen, ist bestimmt niemandem entgangen. Doch hier in Nordfriesland packt die Natur noch einen obendrauf. Zumindest kommt es mir so vor.

Der Regen scheint nicht von oben zu kommen, sondern gleich direkt von vorne oder von hinten oder eben von der Seite. Das liegt natürlich an dem Wind, der sich eher zu einem Sturm zusammengebraut hat. Dann regnet es so stark, dass ich die Büsche und Bäume hinten am Ende der Felder nur noch schemenhaft erkennen kann – und das, trotz Brille.

Vorgestern haben wir schon mal vorsorglich alle Tische und Stühle draußen in die ehemalige Scheune gebracht. Wir wollten verhindern, dass diese sich quer über die Straße legen oder wir sie irgendwo von den Wiesen und Feldern zusammensammeln müssen. Ich glaube, das war eine weise Entscheidung.

Dann fährt ja durch Nordfriesland die Bahn, die auf Sylt endet. Irgendetwas muss ja an den Gleisen immer mal wieder repariert oder erneuert werden. Dafür werden die Bahnübergänge häufig mal gesperrt. So auch in der vergangenen Nacht. Da sieht man dann, wenn man aus dem Fenster blickt, in der Dunkelheit einen hellerleuchteten Fleck, dort, wo die Männer arbeiten.

Das wusste ich aber nicht! Ich hörte nur diese Geräusche… Geräusche, die die vergangene Nacht unheimlich und laut wirken ließen.

Der Wind sauste ums Haus und durch die Blätter der Bäume und Büsche, von irgendwoher bellte ziemlich verrückt ein Hund und der Regen hämmerte und prasselte auf alles mögliche herab. Dann war da ein permanentes metallisches Geräusch, das ich nur schwer beschreiben kann. Es klang, als würde jemand ständig mit einem metallischen Gegenstand auf einen anderen metallischen Gegenstand klopfen und gleichzeitig drüberziehen oder so. Dazu hörte es sich an, als würde eine Autobahn in der Nähe starkbefahren sein. Das alles auf einmal. Dann ertönte plötzlich ein ohrenbetäubender scheppernder Krach, als würde ein Blechdach auseinandergerissen werden und ein Teil davon durch die Luft sausen, um dann irgendwo anders draufschlagen.

Ich gestehe, ich war ja noch ziemlich schlaftrunken und wer weiß, was ich davor geträumt hatte, aber ich trug plötzlich den Gedanken in mir, dass jetzt bitte keine Außerirdischen kommen mögen, wo doch mein Mann nicht bei mir ist. Bitte, lasst sie erst kommen, wenn wir wieder zusammen sind, dann ist es mir egal… Wie gesagt, ich weiß nicht, wovon ich zuvor geträumt habe.

Und dass es sich dabei um Arbeiten an den Gleisen handelte, konnte ich zwar erahnen, doch wenn man solche Geräusche noch nie gehört hat – glaubt mir, es war irgendwie unheimlich, zumal ich überhaupt nichts sehen konnte, außer Schatten, die sich hektisch im Wind bewegten – die Wipfel der Bäume, das hohe Gras, der Mais auf den Feldern…

Damit war die Nacht aber noch nicht vorbei!

Sturm und Regen nahmen an Heftigkeit noch zu. Es wurde immer lauter da draußen und dieses metallische Geräusch blieb auch noch. (Die armen Männer…). Dann fing es an. Der erste Blitz und der erste Donner. Kein Donner von irgendwo. Nein, Donner, die rechts anfingen und sich langsam nach links entlangdröhnten.

Ich habe ja schon einige Gewitter erlebt und Lautstärken der Donner, die das ganze Haus wackeln ließen. Diese Donner hier, die waren anders. Sie wirkten wir eine Welle von einer Seite zur anderen und von der Lautstärke gut erträglich. Ein Grollen am Himmelszelt. Sie hatten sogar unterschiedliche Töne und Klänge. Sie waren mal tiefer und mal höher. Mal länger und mal kürzer. Was ich zuvor auch noch nie erlebt hatte, war so eine Häufigkeit an Blitzen. Der eine Blitz war noch gar nicht richtig fertig, da kam schon der nächste Blitz. Auch hier konnte ich sie wandern sehen. Erst waren sie über unserem Haus und dann wanderten sie immer weiter bis zu den Büschen und Bäumen, die ich bei Starkregen kaum noch erkennen kann, hinten am Horizont. Verrückt war auch, dass ich zuerst die Blitze ganz klar als Blitz sah, später jedoch nur noch als helle Lichter. Dort, wo der Blitz stattfand, leuchtete der Himmel hell und das halt immer und immer und immer wieder, ohne wirkliche Pausen. Irgendwann hörte das Spektakel ganz plötzlich wieder auf.

Der Tag heute bietet uns auch eine breite Palette. Weiterhin Starkwind, Regenschauer und Regengüsse, schwarze Wolken, dann wieder graue und zwischendurch sogar Fetzen von blauem Himmel und Sonnenschein. Dann wieder Phasen ohne Regen, aber alles ziemlich kühl. Ach ja, und das schreibe ich jetzt um viertel vor neun morgens.

Mal schauen, was der Tag uns noch so zu bieten hat. Eigentlich wollte ich heute mal irgendwo hinfahren. Schauen wir mal.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

22 Comments

  1. Ja, da fühle ich mich doch gleich an meine Zeit auf Föhr erinnert. Keine Gleisarbeiter, aber sonst alles so, wie hier beschrieben. Ich wohnte ein paar Jahre lang im dritten Stock direkt am Strand. Hier konnte ich den Sturm und die Gewitter im Rundblick genießen. Ähnliche Gewitter kenne ich hier auch, aber ohne Ausblick. Liebe Grüße und einen schönen Tag, auch mit Wetter! Regine

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    1. Hallo liebe Regine, Gewitter sind ja irgendwie immer spannend. Bei mir war es halt einfach das Zusammenspiel von allem – und diese traumartigen Gefühle und Gedanken, es kämen jetzt Außerirdische und irgendwie würde das ganz viele Veränderungen mit sich bringen – und mein Mann nicht bei mir… Gar nicht gut, die Vorstellung.
      Liebe Grüße und Dir auch einen schönen Tag, Kaya

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      1. Ja, das war sicher unheimlich. Ich muss gerade an folgende Geschichte denken, die zwar nichts mit Gewitter zu tun hat, aber mit Geräuschen. Ich zog vor vielen Jahren Ende Juni aus unserem gemeinsamen Haus aus und ganz alleine in ein Reihenhaus ein. Die erste Nacht war schlimm und traurig. Als ich im Bett lag, hörte ich ein dauerndes Klack klack klack klack. Ich durchsuchte das ganze Haus und war mir sicher, irgendetwas ist kaputt oder nicht ganz dicht. Ich fand nichts und es war wirklich unheimlich. Gegen Mitternacht hörten die Geräusche auf.
        Am nächsten Tag erzählte ich meiner Nachbarin davon und sie lachte Tränen. Sie hatte in ihrer Küche mit einem Kirschentkerner ihre Sauerkirschen entkernt und wusste nicht, dass das bei mir zu hören war. Ich war sehr erleichtert und noch heute erinnern wir uns gerne an diese Geschichte😂.

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          1. Nein, so hellhörig ist es nicht, aber Kirschen entkernen dringt durch die Wände, wenn rundherum alles still ist. Und wir wohnen in einer sehr ruhigen Wohngegend. Ja, geisterhaft kam es mir damals wirklich vor. Und das Alleinsein musste ich nach fast Jahren Gemeinsamkeit auch erst lernen. Kam eben, wie bei Dir in der Gewitternacht, so einiges zusammen. 😳

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          2. Das kann ich mir gut vorstellen. So ergeht es mir hier halt auch häufig, da ich die Geräusche ja noch gar nicht alle kenne. Schon das Haus gibt viele neue Klänge von sich. 🙂

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  2. Hallo Kaya, ich liebe ja Gewitter – vielleicht deswegen, weil noch nie etwas Schlimmes dabei passiert ist – aber vielleicht wäre mir das dann doch etwas unheimlich gewesen.
    Den Wind scheint es ja momentan bundesweit zu geben. Bei mir macht der Anhang von der Markise ständig lauten Krach, da alles flattert. – Wird auch wieder ruhiger.
    Aushaltbares Wetter wünsche ich dir mit lieben Grüßen
    Clara

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    1. Hallo liebe Clara, ich liebe auch Gewitter. Ich mag auch Stürme und Regengüsse. In der letzten Nacht kam wohl einfach alles zusammen, besonders diese seltsamen Gedanken, gepaart mit Gefühlen, es kämen womöglich die Außerirdischen und mein Mann nicht bei mir…
      Inzwischen lachen wir natürlich dadrüber, doch in der letzten Nacht fühlte das sich wirklich gar nicht „komisch“ an.
      Das Wetter hat sich auch wieder beruhigt. Es ist noch ziemlich windig und die Wolkenberge kommen und gehen, doch das Gesamtbild ist halt anders.
      Liebe Grüße zurück, Kaya

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  3. Richtig abenteuerlich☺️Da müsste ein Urlauber bestimmt noch Zuschlag zahlen, für das Warten auf die Ausserirdischen☺️ Bei uns an der Ostsee ist das Wetter aber ähnlich und so können wir beide auf Wetter Besserung hoffen ☀️☀️

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    1. Die Außerirdischen haben sich ja letzte Nacht nicht bei mir blicken lassen – ich habe sie vermutlich mit meiner Furcht vertrieben. Mein Mann meinte ja, die wollten mich vermutlich zu ihm bringen oder ihn zu mir … es war generell heute ein amüsantes Thema hier – auch mit und bei anderen … 🙂 Woher dieser laute Krach kam, das Geräusch, als würde ein großes Stück Blechdach irgendwo herausgerissen und woanders gegen scheppern, konnte niemand so genau erklären. Der dazukommende Blitz hat die Wirkung dann noch in meiner Fantasie beflügelt … :-).
      Eine Bekannte meiner Freundin erzählte, ihr Hund sei in der Nacht unter ihr Bett gekrochen, was sie sehr verwunderlich fand und auch nicht erklären konnte – das hätte er sonst noch nie gemacht … wer weiß, vielleicht ist in der Nacht ja irgendwo ein Ufo gelandet 😉 … *lachlaut*

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  4. Keine Sorge, die Außerirdischen werden niemanden entführen, die sind intelligent, die machen seit langem schon einen riesengroßen Bogen um unseren Planeten. 😉
    Gewitter faszinieren mich seit meiner Kindheit. Damals, als ich noch bei meiner Familie in den Bergen lebte, war ein Unwetter in den hoch aufragenden Gipfeln stets eine willkommene Abwechslung zum Fernsehprogramm. 😉 Ich liebe es, wenn sich die Welt ringsum durch die düsteren, tief hängenden Wolken verdüstert, wenn die Blitze zucken und der Donner grollt. Nur beim Fotografieren von Blitzen habe ich bislang noch kein Glück gehabt. 😉
    Sei herzliche gegrüßt!

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    1. Na, das ist doch mal beruhigend, liebe Martha. Wenn die Außerirdischen uns nicht mögen, dann ist ja alles gut … 🙂
      Das mit dem Gewitter finde ich übrigens auch. Mir gefällt es sehr, wenn ich drinnen bin und dann draußen das herrliche Gewitter beobachten kann, wenn sich der Himmel langsam zuzieht, die ersten Zuckungen, das Grollen in der Ferne und die Regenschauer … ach ja, ist schon schön.
      Zum Fotografieren war ich heute Nacht nicht wach genug.
      Liebe Grüße für Dich.

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