Trägheit im Kopf

Keine Ahnung wieso, aber mein kreativer Fluss liegt brach. Es kommt mir so vor, als hätte ein Biber den Fluss gestaut und nun stochere ich in der braunen Brühe herum und finde keine Ideen und Themen.

Natürlich erlebe ich etwas. Piepsi Lotta hat erneut vier Eier gelegt und es sind auch alle Küken geschlüpft.

Ich war in der alten Heimat, habe die Familie besucht und wir hatten selbst Gäste für deren Bewirtung ich einen Schmaus zubereitet hatte, aus mit Fetakäse gefüllten Hackbällchen – Datteln im Speckmantel – Rohkostsalat aus Brokkoli, Apfel, Paprika und Pinienkernen – Fetakäse, Oliven und frischen Thymian vom Balkon – Tomaten mit Mozzarella und Basilikum – Pellkartoffeln – selbstgemachte Sour Cream und knusprig gebackenes Brot. Dazu einen kühlen Bioweißwein.

Für meine Tochter hatte ich einen Sack frische Blumenerde gekauft und ein paar Staudenpflanzen und während sie bei der Arbeit war, habe ich zusammen mit den Enkelkindern die Neubepflanzung vorgenommen.

Ich war erneut beim Zahnarzt, kurz bei meinen Eltern, habe zauberhafte Stunden mit meinem Herzmann verbracht und bin seit gestern wieder in Nordfriesland, wo ich auch schon wieder im Café gearbeitet habe und heute meine Wäsche wusch, die inzwischen schon wieder trocken auf meinem Bett liegt. Draußen im Wind trocknet das superschnell.

Doch mal ehrlich – wenn interessiert das wirklich?

Ich sah heute auch ein Fasanenpaar über eine Wiese spazieren, einen Reiher durch die Luft fliegen und scheuchte einen Schwarm Stare auf, als ich das Fenster öffnete. Nicht wirklich spannend oder originell.

Das Spannende und das Originelle fehlt mir gerade. Klar, ich könnte jetzt über die Corona-Meinungen mit euch diskutieren – doch dazu habe ich so gar keine Lust. Ich will mich auch nicht in die Weltuntergangsstimmung einklinken und meine Meinung darüber kundtun. Auch nicht darüberschreiben, ob wir uns auf ähnliche Überwachungsszenarien zubewegen, wie sie jetzt schon in China herrschen. Oder ob wir bald nur noch am öffentlichen Leben teilhaben können, wenn wir die Corona-App benutzen und uns gegen dieses Virus impfen lassen. Keine erstrebenswerte Zukunftsvision, doch sie wird heißt diskutiert und scheint durchaus realistisch. Doch sind das Themen, über die einer von euch etwas lesen will oder sogar diskutieren? Ich nicht.

Während ich echt häufig anfange etwas zu schreiben, lande ich irgendwie immer wieder bei Themen, über die ich gar nicht schreiben will. Dann höre ich jedes Mal sofort auf und lasse es bleiben, in der Hoffnung, morgen wird es wieder besser. Das ergeht mir jetzt schon eine ganze Weile so. Die braune Brühe will sich einfach nicht wieder legen.

Hier in Nordfriesland ist es immer noch wirklich wunderschön.

Während ich in der vergangenen Woche draußen saß, die Beine weit von mir gestreckt und den Blick in den Gipfel der vom Wind rauschenden Silberpappel richtete, empfand ich auf einmal ganz tiefe Dankbarkeit, die noch viel tiefer ging und sich als Demut entpuppte. Das Gefühl wurde so stark, dass mir Tränen über das Gesicht liefen und Schauer durch den Körper.

Doch das sind alles keine Begebenheiten, die ein Thema für einen Blogeintrag ausmachen würden. Auch steigen in mir keine „tiefsinnigen“ Themen auf. Und dass ich Steckdosen gesäubert habe, die der Freund meiner Freundin im Haus seiner Tochter abgebaut hat, damit jemand die alten Farbreste davon abschrubbt, halte ich auch nicht beitragstauglich. Auch wenn ich dafür im Wintergarten hockte und meine Beine einschliefen.

Versteht jemand, was ich meine? Bin ich gerade leer oder zu voll?

Mir fällt dieses Wort „Schreibblockade“ ein und dass ich irgendwo las, dass es so etwas nicht wirklich für Autoren gibt. Man kann ja in einem Büro zu seinem Chef auch nicht sagen, ich kann gerade nicht. Wer schreibt, der schreibt – und das jeden Tag, fertig.

Vielleicht betrifft es gerade diesen Blog hier. Ich meine, es gibt halt nichts Neues von der Nordseeküste. Heute hängt der Himmel voller Wolken. Es hat hier in den letzten Tagen wie aus Eimern geschüttet. Die Erde freut es bestimmt. Die Gäste kommen ins Café und gehen auch wieder.

Nun, ich höre jetzt auf. Entschuldigt bitte, wenn es heute ein ziemlich langweiliger Beitrag geworden ist. Es ist halt irgendwie träge, auch wenn die Tage voll und abwechslungsreich sind, weil doch immer etwas los ist und auch passiert. Doch halt nichts, was einen Blogbeitrag unterhaltsam füllen würde.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

19 Comments

  1. Liebe Kaya.
    In letzter Zeit war bei uns das Wetter wieder ziemlich drückend und schwül, was sich natürlich auch auf die Stimmung legte. Vielleicht solltest dir nicht zu viele Gedanken machen, sondern dir genügend Zeit für das Wesentliche nehmen und erst einmal wirklich richtig ankommen, um euer Leben in der neuen Heimat wirklich durchwegs genießen zu können.
    Niemand kann immer gut drauf sein und irgendwann braucht die Seele auch etwas Zeit um sich selbst wieder zu ordnen.
    Trägheit im Kopf wird sich wieder geben, wenn er frei von Ballast und dadurch vieles wieder leichter wird, denke ich aus Erfahrung damit. 😉
    Liebe Grüße von Hanne und hab noch einen richtig schönen Tag! 🍀🌺

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    1. Liebe Hanne, Du schreibst so wunderschön und vermutlich stimmt es, was Du mitteilst – meine Seele wird von mir manchmal ganz schön gehetzt. Vermutlich drückt sie jetzt einfach mal auf die Bremse, damit ich merke, dass sie diese Zeit gerade einfach mal gut gebrauchen kann. Diese kleine Begebenheit mit der Demut war eigentlich Zeichen genug.
      Doch da ist in mir drin auch dieser Wicht, der halt drängelt und meint, ich müsste doch. Der lärmt manchmal so sehr, dass ich dann eben doch einen Beitrag formuliere.
      Vielen Dank für Deine lieben Zeilen und für Dich ganz besonders viel Gutes – Kaya

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  2. Überhaupt nicht langweilig, liebe Kaya! Eine Fülle von Themen und spannend zu lesen. Schreibblockade geht anders, denke ich. Aber ich weiß, was Du meinst. Mir geht es ähnlich. Mir kommen meine kleinen Themen auch so unwichtig vor und ich frage mich, wer will das lesen? Es verändert sich weltweit gerade so viel. Man kann das alles gar nicht so schnell fassen und verarbeiten. Vielleicht ist jetzt auch die Zeit, um sich von den letzten Monaten zu erholen und sacken zu lassen! Liebe Grüße, auch an Meer und Nordfriesland!

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    1. Ich danke Dir, für Deine Worte! Das Bild, welches Du mit Deinen Worten in meinem Kopf kreiert hast, fühlt sich stimmig an.
      Während sich die Welt da draußen aktuell rasend schnell verändert und so viele elementare Themen davon betroffen sind, die unsere bisherige Ordnung ordentlich durcheinander wirbeln, scheint das eigene Leben so klein und nichtig zu sein – und so langweilig und ruhig.
      Ich werde das Meer und Nordfriesland auf jeden Fall von Dir grüßen! Hier erscheint alles so friedlich und als würde die beschriebene Welt hier einen großen Bogen herummachen. Gäbe es keine Nachrichten – egal welcher Form – würde man hier von alledem überhaupt nichts mitbekommen.
      Liebe Grüße auch für Dich.

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  3. Nimm dir den Druck, irgendetwas schreiben zu müssen. Schweigen (nicht schreiben) bringt die Menschen dazu, die Zeit für das Nichtlesen zu nutzen, um selbst Dinge wahrzunehmen und darüber nachzudenken (im Idealfall). Das Netz ist voller Menschen, die schreiben oder Informationen senden… die Last liegt nicht bei dir allein. deswegen nutze die „unspannenden Tage“, um dein Leben für dich zu genießen, ohne andere inspirieren zu müssen. Selbst wenn es Monate dauert, es ist keine Pflicht zu schreiben (außer du arbeitest für eine Zeitung oder Verlag für ein Buch).

    Gefällt 1 Person

    1. Das stimmt wohl. Es ist der eigene Irrwisch, der diesen Druck ausübt. Nichts von außen. Manchmal braucht „man“ es wohl, dass noch einmal von jemand anderen geschrieben oder gesagt zu bekommen. Genau, pflichtfrei. Sowieso frei – hier in, wo ich mich aktuell befinde. Fernab von dem Irrsinn. Schon seltsam.
      Ich danke Dir für Deine lieben Worte.

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  4. Hallo Kaya,
    Wenn ich mich hier so durch die Blögge lese und auch meinen eigenen betrachte, ist nicht jeder Eintrag spektakulär.
    Ob unsere Heizung wirklich interessant ist 🤔 Man weiß es nicht genau – es wird zu den Beiträgen auf jede Fall reichlich kommentiert und gelikt 😉
    Evtl. Liegt es bei dir auch daran das bei dir jetzt der Reiz des neuen an deinem Umzug verfliegt?
    Ich freue auf jeden Fall auf noch viele Einträge von dir.
    Liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Monika,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Natürlich ist es durchaus lesenswert, wenn man die Geschichte eurer Heizung beinahe hautnah miterlebt und das meine ich ehrlich.
      Es ist halt mein eigener Anspruch. Ist gerade schwer zu erklären.
      An dem Reiz, der verfliegen könnte, liegt es nicht. Der Umzug und Bau liegen einfach gerade brach. Wir können halt aktuell nichts tun. Der Bauzeitenplan liegt vor. Es dauert noch, bis es losgeht. Wir können nichts packen, wir würden dann auf Kartons leben und wer will das schon. Auch sonst ist diesbezüglich nichts zu tun.
      Nein, daran liegt es nicht. Nun ja, es ist vermutlich alles, irgendwie. Und wie schon auf andere Kommentare geschrieben – vermutlich will meine Seele einfach gerade mal eine Pause.
      Liebe Grüße auch für Dich, Kaya

      P.S.: Ich sortiere mich und was dazu gehört gerade … 🙂

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      1. Geht mir genauso. Ich muss wieder damit klar kommen mehr arbeiten zu müssen. Und damit das meine Fachkompetenz wieder wichtig ist. Dabei frage ich mich ob ich das eigentlich wieder so haben will 🤔 – Jedoch – bevor die Hypothek nicht abbezahlt ist, sehe ich keine andere Möglichkeit 🙋‍♀️

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    1. Du glaubst nicht, wie experimentierfreudig ich beim Kochen bin! Und wenn es erstmal ans Würzen geht – mit vielen Kräutern und so. Also, seit mein Mann sagt, ich sei seine 7-Sterne-Köchin, fühle ich mich erst recht beflügelt … aber darüber schrieb ich ja schon mal an anderer Stelle.

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      1. Schon ‚mal Bobitie gemacht? Habe ich heute meiner treuliebenden Gattin vorgesetzt. Und die hat immer noch nicht von Scheidung geredet.. Schon erstaunlich, wie die mich aushält.☺️ Schmeckt nämlich gar nicht schlecht!☀️

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        1. Ich gestehe, ich habe erstmal im Internet nachgeschaut, was Bobitie überhaupt ist. Klingt irgendwie schon interessant. Hackfleisch mit Gemüse und / oder Früchten. Wenn ich mal wieder in der „alten Heimat“ bin, werde ich es mal ausprobieren. Klingt nach mehr. 🙂

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