Was eine Tochter doch für Erinnerungen wachküssen kann…

Eben stöberte ich ein wenig in alten Texten herum und fand den nachfolgenden, der mich dann doch zum Schmunzeln brachte, weshalb ich ihn mal hier poste.

Wie dem Datum zu entnehmen ist, liegt das Schreiben des Textes ungefähr zehn Jahre zurück – es ist inzwischen einiges passiert…

2010-07-28

Was würde eigentlich passieren, wenn man als Mutter seine zweiundzwanzigjährige Tochter in Ketten legt, bis sie wieder „zur Vernunft“ kommt? … Blöde Frage, das weiß ich selbst und natürlich rein rhetorisch und doch, wenn ich könnte, wie ich wollte, dann … ja dann würde ich sie in Ketten legen und Handschellen noch dazu. Ich würde sie zu Menschen schleifen, die sich mit diesen Verhaltensmustern, den alten Prägungen und Erfahrungen gut auskennen und ihr reichlich „den Kopf waschen“ würden, ich würde sie erst wieder „frei lassen“, bis ich sicher wäre, dass ihr etliche der Erfahrungen erspart bleiben würden, die ich selbst, sehr schmerzlich und über viele Jahre, machen musste.

Alles rein hypothetisch. Alles „Wunschträume“. Doch es gibt mir ein Gefühl und eine Vorstellung davon, wie m-e-i-n-e Mutter immer wieder empfunden haben könnte … oder all jene andere Mütter, deren Töchter oder Söhne sich Hals über Kopf in Beziehungen gestürzt haben, wo jeder Außenstehende mit einem einzigen Blick erkannte, das kann nur in eine Katastrophe enden.

Doch was soll man als Mutter machen, wenn die eigene Tochter bitterlich weint, kreuz unglücklich ist und sich weiterhin in das Leid stürzt, mit den Worten: „Aber ich liebe ihn doch…“
Ich könnte sie schütteln!

Stattdessen habe ich die ganze Zeit nur geredet. Habe versucht ihr meine Sicht der Dinge zu schildern, gespickt mit jeder Menge Erfahrungen. Ich habe ihr auch von ihrem Vater berichtet, sie an die eigenen Geschichten erinnert. Ob es was genützt hat? Mein Gefühl sagt mir „nein“ … und ich blicke auf mein Leben und denke: „Was habe ich meiner Tochter bloß vorgelebt?!?!?“

Wie kann man seinem Kind deutlich machen, dass das nicht das Ende des Lebens bedeuten würde?
Wie kann man seinem Kind erkennbar machen, dass auch sie ein Recht auf Glücklich-sein hat?
Wie kann man seinem Kind klar machen, dass Liebe nicht bedeutet, sich beschimpfen, anschreien oder unter Druck setzen zu lassen?
Wie kann man sein Kind fühlbar machen, dass auch sie das Recht auf Liebe hat?

Ja, wir wissen immer wieder; was wir säen, das ernten wir. Wir kennen die Resonanzgesetze, wie sind ja so klug und so schlau. Wir blicken auf jede Menge Erfahrungen, wir wissen, wie man es „richtig“ macht. Wir blicken auf das Geschehen, wie auf eine Bühne – wir erkennen schon die Verwicklungen, möchten so gern einschreiten, die Handlung beeinflussen … und stehen doch machtlos daneben.

Muttersein ist gar nicht immer so einfach … und schon gar nicht, wenn man erkennen muss, wie die Tochter die eigenen Erfahrungen scheinbar zu wiederholen scheint, obwohl man doch ganz bewusst in seinem eigenen Leben entscheidende Wendungen eingeleitet hat und auch andere Wege beschritt – doch wie lange hat es gedauert? Wie viel von „der alten Art“ hat man wie lange noch weitergelebt? Wie viel hat man seinem Kind mit auf den Weg gegeben? Und wie viel von „der neuen Art“ konnte man diesem Kind in der Form vorleben, dass sie es nachahmen würde, wie sie es jetzt auch mit der „alten Art“ tut?
Oder ist es womöglich eine Erfahrung, die sie zu erfahren gewählt hat? Muss und kann ich nur tatenlos zusehen oder darf ich aktiv einschreiten? Ich könnte „IHM“ mal den Marsch blasen. Ich könnte „IHN“ mal fragen, ober er noch „ganz frisch“ ist … ich könnte …

Ja, ich könnte mich in eine Lebensgeschichte einmischen, mit der ich nur insoweit etwas zu tun habe, weil ich die Mutter einer der Akteure bin. Im Grunde genommen ist es jedoch nicht m-e-i-n-e Geschichte. Wie ist das nun?
Oder sollte ich doch schon mal die Ketten und Handschellen kaufen? Mir schon mal die passenden Worte zurecht legen, die ich „IHM“ dann vor die Füße knallen könnte, wenn es soweit wäre?

Wow, das mit dem Muttersein hört wirklich nie auf … und ich denke an meine eigene Mutter, was sie schon alles mitgemacht hat, als Zuschauer meines Lebens.

Mama, ich liebe Dich – und ich danke Dir für Dein SEIN. Du bist die beste Mutter der Welt … zumindest für mich.

(c) Kaya Licht

12 Comments

  1. Oh je, an die armen Mütter dachte ich wirklich nie – wenn ich eine Beziehung mit einem kleinen Geschenk beendete. Ich verabschiedete mich einige Male mit der Single (natürlich aus Kostengründen) „Die Liebe ist ein seltsames Spiel‘. Einmal in der Originalversion. Die Engländerin hat sich nicht so richtig gefreut und mit Lippenstift böse Wörter auf meine Autoscheiben gemalt.. Waren das schöne Zeiten..

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      1. „Vergangen, vergessen, vorüber“ traellerte Freddy Quinn und „Aber schön war es doch“ die Hildegard. Und dann noch die von mir verehrte Edith ihr „Milord“ und da konnte ich der auch nur folgen: Non, je ne regrette nien“..☺️☺️

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    1. Danke für diesen tollen Einblick!
      Je älter man wird (auch wenn man keine Mutter ist), umso mehr versteht man das mütterliche handeln und umso mehr tut einem die eigene Mutter manchmal leid.

      Finde es super wie du das geschrieben hast!

      Liebe Grüße aus dem Schwabenland
      Anna

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      1. Hallo liebe Anna,
        danke für die lieben Worte. Ich selbst denke das ja auch manchmal über meine Mutter – stecke sozusagen irgendwo in der Mitte fest.
        Meiner Tochter habe ich das noch nie gezeigt (auch nicht meiner Mutter…)
        Liebe Grüße von Herzen aus Nordfriesland, Kaya

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