arbeitsreich, der beste Mann von Welt und Bambi-Rettung

Sonne und ein volles Café. Bekäme ich Kilometergeld, wäre ich diese Woche eine reiche Frau geworden. Spaß hat es jede Menge gemacht. Dann Caipirinha am Abend, Kopfschmerzen am Morgen – ich vertrage einfach keinen Alkohol.

Mein Traummann war auch wieder hier. Ich genieße das immer sehr. Während ich am Sonntag arbeitete, fuhr er mit dem Fahrrad durch die Gegend und abends kochte ich noch Spaghetti Bolognese à la Kaya. Der heutige freie Tag fing natürlich wieder mit einem ausgiebigen Frühstück an. Kaffee, Brötchen vom Bäcker, gekochte Eier, Lachs, Nordseekrabbensalat, Käse ohne Ende, Orangensaft, Schinken. Danach sind wir dann durch die Gegend gefahren. Wir waren auch am Wasser, haben schöne Ecken entdeckt. Liefen durch Einkaufsstraßen, wo gar nicht so viele Menschen waren und schauten auch noch einmal bei unserem Grundstück vorbei. Es war ein herrlicher Tag. Heute Abend fuhr mein Mann dann wieder zurück.

Am Sonnabend fing die Arbeit eigentlich ganz normal an. Ein paar Tage zuvor entdeckte ich auf der Wiese hinten im hohen Gras eine Ricke mit ihrem Kitz. Ich berichtete ja kurz davon.

Während ich gerade Torten und Kaffee zu den Gästen trug, rief mir meine Freundin zu: „Der Bauer mäht! Du weißt eher wo das Kitz liegt! Kümmere du dich drum!“

Ich stellte das Tablett schnell zur Seite und rannte los. Durch das hohe Gras – kein Gedanke an Zecken – den Trecker im Blick und das hohe Gras absuchend.

Kann sich jemand vorstellen, wie groß einem so eine Wiese vorkommen kann, wenn man auf ihr etwas kleines sucht?

Doch plötzlich lag dieses kleine Wesen direkt vor mir. Ich schaute zum Trecker rüber , wedelte wild mit den Armen, machte einen was-weiß-ich Tanz und versuchte diesen Menschen auf mich aufmerksam zu machen. Endlich sah er mich und ich winkte, zeigte vor mir und machte mit meinen Armen einen großen Kreis, so nach dem Motto: Hier liegt etwas, hier nicht mähen!

Der Trecker fuhr weiter seine Runden und als er ziemlich dicht dran war, stieg der Mann aus – ein Lohnarbeiter – rupfte hohes Gras aus, kam auf mich zu, griff das Kitz, drückte mir das zappelnde und schreiende Geschöpf in den Arm und sagte: „Leg es im hohen Gras ab.“ Dann stampfte er zurück zum Trecker und mähte weiter.

Idiot! dachte ich. Wo soll ich das denn hinlegen, wenn du alles abmähen willst?

Die Wiese war echt groß, das Kitz schrie aus Leibeskräften und zappelte ganz fürchterlich. Ich hatte keine andere Wahl, als es an mich zu pressen, sonst hätte ich es nicht halten können.

Ich ging zurück zum Grundstück meiner Freundin. Am Rand waren ein Sielzug und davor viel hohe Wiese. Dort legte ich das Kitz hinein und rieb es noch ordentlich mit Gras ab, in der Hoffnung, die Ricke würde es wieder annehmen. Ich blieb ein Stück davon stehen, damit ich eingreifen konnte, falls der Trecker näherkam und das Kitz sich erschreckte und womöglich zurück in das noch zu mähende Stück laufen würde.

Als der Trecker lauter wurde, lief das Kitz tatsächlich los, rüber auf das Grundstück meiner Freundin, in Richtung Schafe, kam an den Stromzaun, schrie, lief Richtung Sielzug und saß dann im Wasser – bis zur Nasenspitze. Es war gruselig. Ich hinterher. Da konnte es unmöglich drinbleiben! Es würde ertrinken! Die Uferböschung war zu hoch, um dort wieder rauszukommen. Das Kitz war vielleicht eine Woche jung.

Ich rief den Gästen zu, sie mögen bitte drinnen Bescheid geben, ich bräuchte Hilfe!

Inzwischen hatte ich meine Schuhe ausgezogen, bin durch die hohen Brennnesseln durch, runter in den Sielzug, glitschte über den matschigen Grund und versuchte das Kitz zu retten. Es lief im Wasser schreiend davon. Mir war klar, alleine hatte ich keine Chance.

Dann kam mir zum Glück einer der Gäste zur Hilfe und zusammen bekamen wir es hin. Er ging auf der einen Seite des Sielzuges entlang, ich auf der anderen, bis wir an einer Stelle beide hineingehen konnten.

Immerhin, auf meiner Seite waren fast die ganze Strecke entlang überall ein Meter hohe Brennnesseln und auf seiner Seite Büsche und Bäume. Irgendwann war dann auf seiner Seite eine Stelle frei und ich machte Geräusche, so dass das Kitz in seine Richtung lief. Das Kitz hatte den ganzen Kopf voller Entengrütze und schrie. Der Mann bekam es zu fassen. Er trug es dann zurück zur ursprünglichen Wiese, wo wir es auf einem gemähten Stück ablegten und mit viel frischem Gras trockenrieben und somit auch dafür sorgten, den menschlichen Geruch so gut es ging wegzubekommen. Dann packten wir noch jede Menge Gras um das Tier herum und auf das Tier drauf, als Schutz, was es sonst nicht gehabt hätte. Dort lag es ein paar Stunden, bis es wieder ein Stück über die Wiese lief und nach seiner Mutter rief. Die Ricke kam dann am frühen Abend. Wir hatten schon Feierabend und standen alle wie gebannt dort. Würde sie es wieder annehmen? Während das Kitz immer weiter rief, kam die Ricke nur langsam näher. Sie musste über die freie Wiese gehen. Vorsichtig beschnupperte sie das Kitz. Wir hielten, glaube ich, alle die Luft an. Was, wenn nicht? Das Kitz ging immer wieder auf die Ricke zu, die zunächst zögerlich wirkte. Dann standen sie dort, Schnauze an Schnauze und liefen zusammen auf die gegenüberliegende Seite der Wiese und verschwanden im Knick. Wir atmeten alle hörbar auf und waren sehr erleichtert und so froh.

Was für ein Tag.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

(c) Kaya Licht

9 Comments

          1. Da muss sich doch jetzt auch gar keiner drum kümmern, liebe Monika. Wir haben es zunächst vor dem Mäher und dann dem Ertrinken gerettet und dann hat es die Ricke wieder abgeholt und ist mit ihm zusammen im Grünen verschwunden.

            Für Dich einen zauberhaft, sonnigen Tag.

            Gefällt 2 Personen

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