Paradiesische Zustände

Im Frühtau stolziert ein Fasan über die Wiese, weiterhinten lugt der Körper eines Rehes heraus, plötzlich ist es verschwunden, es hat sich in das über ein Meter hohe Gras gelegt. Die Sonne wandert gemächlich ums Haus herum, taucht die Landschaft am Morgen in ein diffuses Licht und leuchtet heller, umso weiter die Zeit voranschreitet. Sie ist heiß. Sie macht den Tag zu einem weiteren Sommertag.

Um fünf fuhr ein Trecker übers Feld. Ich bin mir nicht sicher, was er tat. Er zog etwas hinter sich her – der Laie schreibt, obwohl ich doch schon Trecker gefahren bin. Ich mähte eine Wiese. Ich wendete das Gras, ich produzierte Heuballen…

Noch kann man hier im Wintergarten sitzen. Es sind bereits über dreißig Grad hier drin. Durch die offene Tür dringt kühlere Luft von draußen rein. Wäsche baumelt an der Leine, die zwischen Wintergarten und dem alten Betonsilo gespannt ist. Der Wind lässt die Wäsche innerhalb einer Stunde trocknen. Ein zarter Windhauch heute nur, ein warmer dazu.

Irgendwo da oben brummt ein kleiner Flieger. Nur sehr, sehr wenige Kondensstreifen zieren den Himmel. Nur selten das Brummen der Flugzeuge. Also, mir gefällt das ja sehr. Meinetwegen kann es so bleiben. Ist ja für die Luft und die Umwelt sowieso besser, sagt man.

Kennt jemand den Film „Das Feld der Träume“? Wer den Film kennt, der kann sich ungefähr vorstellen, wie es hier ist. Hier ist nämlich auch so ein Ort der Träume.

Ein Hof in Alleinlage. Keine Straßenlaternen. Keine Ampeln. Kein Autokorso am frühen Morgen, wo sich die Berufstätigen, Stoßstange an Stoßstange zur Arbeit drängeln. Wir arbeiten hier, wo wir auch wohnen. Fertig. Wir erleben die Natur pur. Und hier liegt etwas in der Luft, etwas Mystisches, irgendwie magisches. Wer feinfühlig ist, der nimmt es ganz bestimmt wahr. Und wer noch feinfühliger ist, der kann es sogar manchmal sehen. Manchmal ist es nur ein Schein, wie ein feiner Schatten, der vorbeihuscht. Manche sehen sogar noch mehr. Es gibt hier Plätze, an denen kann man Kraft schöpfen, denn sie sind voller Energie.

Als ich das erste Mal hier gewesen bin, wusste ich sofort, hier will ich auch leben. Nicht unbedingt hier auf diesem Hof. Mit hier meine ich die Gegend. Gerade läuft ein Spatz über das Dach des Wintergartens. Sowieso sind die Spatzen überall und all die anderen Vögel. Und es ist grün und es blüht überall und es duftet so würzig. Üppig ist mein neues Wort. Ja, alles im Überfluss. Träge die Kühe. Schläfrig die Schafe. Voller Blüten der Holunderbusch.

Meine Freundin holt gerade die frischgewaschene Wäsche von der Leine. Mein Bettzeug lüftet auf zwei Stühlen vor sich hin.

Gestern bin ich zu Fuß zum Einkaufen gegangen. Diesen Weg neben dem breiteren Sielzug. Frische deutsche Erdbeeren habe ich mir noch gekauft.

Wenn man mich heute fragen würde, was ich andersmachen würde, könnte ich noch einmal beginnen, dann wäre meine Antwort: „Ich wäre schon eher mit meinem Traummann zusammengekommen und schon viel eher hierhergezogen.“

Das Leben ist großartig zu mir! Ich fühle tiefe Dankbarkeit.

In den nächsten Tagen schreibe ich auch endlich über dieses Café hier. Ein Ort mitten im Paradies.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

4 Comments

    1. Oh, ich danke Dir, liebe Hanne. Stell Dir vor – heute stand dann ein Reh mit seinem Kitz auf der Wiese. Wir mochten uns gar nicht bewegen, schauten einfach nur still rüber und beobachteten die beiden. Es ist wirklich ein bisschen, wie im Paradies hier und ich fühle mich hier sehr wohl.
      Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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