Leben, wo andere Urlaub machen

Das Nest von Piepsi Lotta ist wieder leer. Alle sind ausgeflogen. Das erzählte mir mein Mann gestern Abend am Telefon, ich bin schließlich wieder in Nordfriesland.

Ich bin dort, wo andere Urlaub machen. Ich lebe hier. Langsam kommt auch meine Seele hier an. Das ist also jetzt mein Leben. Wow.

Sogar Arbeit habe ich hier schon. Arbeit, die mir Freude bereitet. Ganz andere Arbeit, als sonst. Nun, das Schreiben, das bleibt, aber ich in der Gastronomie? Hätte ich mir nie vorstellen können. Jetzt laufe ich von Tisch zu Tisch, nehme Bestellungen entgegen, erzähle Geschichten, unterhalte mich, lache mit den Gästen, bringe die Bestellungen zum Tresen, befördere Tabletts voller Kaffee und Torten zu den Tischen und kassiere später und räume die Tische wieder leer. Ich habe so etwas noch nie vorher gemacht und es fühlt sich an, als hätte ich nie etwas anderes getan. Seltsam, oder?

Wenn sich das mit dem Virus weiter lockert, wird es hier abends auch wieder Feiern geben, dann laufe ich auch dort zwischen den Tischen hin und her.

In der letzten Nacht schlief ich mit Augenmaske. Sie macht die Nacht schön dunkel. Als ich sie von meinen Augen nahm, leuchtete die orangerote Gardine in der Mitte – die Sonne schien drauf. Mit Staunen stellte ich fest, dass es schon kurz nach acht Uhr war. Ich fuhr kurz danach mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Meine Freundin erklärte mir einen Weg, abseits von der Straße. Es ist ein schöner Weg, an einem breiten Sielzug vorbei, an dessen Rändern Schilfgras wächst. Auf der einen Seite Häuser in hübschen Gärten, auf der anderen Seite Felder, Büsche und Bäume und ich mittendrin auf einem schmalen Sandweg. Als ich an einer bestimmten Stelle nicht mehr sicher war, wo ich lang muss, kam ein Mann, den ich fragen konnte. Ingo, wie er mir erzählte. Ein Parkettleger. Wie praktisch, so einen brauchen wir später noch für unser Haus. Seine Tochter arbeitet auch bei meiner Freundin. Ich habe sie schon kennengelernt. Ich fuhr dann weiter, er auch, nur in die andere Richtung.

Später nahm meine Freundin mich mit und wir fuhren durch die Gegend, auch zu unserem Grundstück, sie kannte es noch nicht. Überall erinnert es mich an Urlaubmachen. Schon das Hiersein ist Erholung pur. Auf einer Wiese, frisch gemäht und mit Gülle bespritzt, saßen jede Menge Raubvögel. Noch nie sah ich so viele auf so einem kleinen Stück Land. Auf einer anderen Wiese ein Graureiher und später in einem Dorf ein kleines Fohlen.

Meine Freundin und ich schmiedeten Pläne für die nächste Zeit, wohin wir noch mal fahren wollen und wir unterhielten uns stundenlang über Dies und Das. Immer irgendwo draußen sitzend, dort, wo der Wind nicht so stark blies und wo die Sonne schien. Platz gibt es hier ja genug. So viel Platz. So viel Weite.

Morgen will ich mal wieder mit dem Fahrrad nach Husum fahren. Ich habe im Internet einen Bioladen ausfindig gemacht. Das freut mich natürlich. Dort will ich morgen schauen, ob er mir zusagt.

Ich koche übrigens gern. So wirklich gern erst, seit ich für mich und meinen Mann koche. Er nennt mich ja „seine 7-Sterne-Köchin“ und ich gestehe, dass motiviert mich ungemein. Ich habe zwar schon immer gern beim Kochen experimentiert, doch inzwischen … Ich benutze wirklich gern Kräuter und Gewürze und mein Mann liebt Saucen. Allerdings schmeckt ein Gulasch von mir selten so wie das Gulasch zuvor. Ich koche immer „aus dem Bauch heraus“, sozusagen. Da variieren die Zutaten und Gewürze und schon gibt es eine neue Variante.

Was mir bisher nicht gelingen will, ist ein Sauerteigbrot. Tagelang habe ich die Sauerteigmasse gären lassen, doch aus dem Brot wurde nie mehr als ein platter „Kuhfladen“. Zumindest sah es so aus. Der Teig in der Mitte blieb immer feucht und ging nie auf. „Es schmeckt doch“, meinte mein Mann, doch so wirklich überzeugt hatte es mich nicht. Nun ja, wenn es hier jemanden gibt, der Ahnung davon hat, ich freue mich natürlich über jeden guten Tipp.

Das war’s für heute. Ich werde natürlich weiterberichten, von der Nordseeküste und über das, was mir sonst noch so einfällt. Bis bald.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

3 Comments

    1. Danke, liebe Monika. Die Landschaft trägt ein Stück dazu bei – und die lieben Menschen hier. Ein ganz anderer Menschenschlag, als in der Stadt. Nicht besser, aber anders. Dir noch einen zauberhaften Tag.

      Gefällt 1 Person

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