Zu Hause – meine Burg – ankommen

… es dauert noch ein bisschen.

„Oh welche Zauber liegen in diesem kleinen Wort: Daheim.“

(Emanuel Geibel)

Zerrissen. Heimatlos. Als würde ich zwischen den Welten hin und her reisen. Einmal hier, dann wieder dort. Zuhause und nicht Zuhause. Zu Gast. Freiräume. Anpassen. Meine Regeln. Andere Regeln – und ich mittendrin.

Ich blicke in unsere Wohnung. Hier ist alles so, wie es mir gefällt. Ich sehne mich trotzdem nach Nordfriesland. Mein Herzmann auch. Wir würden lieber heute als morgen umziehen. Dabei ist unser Grundstück immer noch „nur eine Wiese“.

Unser Zuhause ist schön. Es gefällt uns. Doch wir sind wohl schon innerlich ausgezogen. Weggezogen. In Gedanken schon gar nicht mehr hier.

Ich kenne das. Zwischen den Welten reisen. Teilweise noch hier, teilweise ganz woanders sein.

Man nannte mich schon früher Weltenreisende. Jemand, der körperlich anwesend ist, doch mit dem Rest ganz woanders verweilte. Man fragte mich manchmal, wenn ich wohl sichtbar zurückkehrte, wo ich denn gewesen sei. Ich antwortete dann wie selbstverständlich: „Am Strand.“ oder „Im Universum.“

Jetzt reichen mir diese Reisen nicht mehr. Ich will meine Koffer packen, die Möbel verstauen, die Kartons befüllen, die Wohnung hier leeren und ausziehen. Die Tür hinter mir ins Schloss ziehen, den Schlüssel übergeben und nie wieder zurückkehren.

Ich will mich vorher noch bei Piepsi Lotta, Herrn Amsel und den vier knuffigen Küken verabschieden, die jetzt aufgeplustert so riesig aussehen, dass wir befürchten, sie drängeln sich demnächst aus dem Nest, weil es für vier zu eng wird.

Montag fahre ich zurück nach Nordfriesland. Nicht in mein neues Zuhause. Zu meiner Freundin. Arbeiten im Café. Viel draußen sein. In einem Raum leben, den ich mir teile, weil er doch das Büro ist. Auf einer fremden Couch schlafen, auf die wir eine eigene Matratze gelegt haben. Ein wunderschöner Blick nach draußen. Eine fantastische Landschaft. Eine herrliche Umgebung. Ein Gefühl von Frieden und Freude. Ein riesiges Grundstück genießen können. Liebe Menschen um mich herum. Gewollt und geliebt werden.

Oh, mein Traummann liebt mich auch. Liebe ist so schön. Das Leben ist schön.

Vorfreude. Weihnachten wollen wir in unserem neuen Haus feiern. Wir. Mein Mann und ich. Ohne Tannenbaum. Für mich wird kein Baum gefällt, der eine Woche später, vertrocknet im Abfall landet. Wir wollen eine Tanne in den Garten pflanzen und da kommen dann die Lichter ran. Für nächstes Jahr. Dieses Jahr geht’s auch ohne. Wir blicken dann, solange es noch hell ist, über die Weite der Felder.

Ja, ich fühle mich gerade wie in einem Zwischenraum. Nicht ganz hier und nicht ganz dort. Irgendwo dazwischen. Ein bisschen hier und ein bisschen woanders. Warten war noch nie meine Stärke. Geduld noch viel weniger.

Ich denke auch an meinen Hund. Er hätte sich in Nordfriesland wohlgefühlt. Ich hätte ihn jetzt auch gern bei mir. Da würde ich mich mehr bewegen. Mehr draußen sein. Auch hier. In Nordfriesland bin ich sowieso ständig und viel draußen. Seltsam, oder?

Aber ich schrieb ja schon darüber. Ein Haus lädt mehr zum Draußensein ein, als eine Wohnung im zweiten Obergeschoss mit einem kleinen Balkon.

Morgens im Schlafshirt rausgehen, barfuß über den Rasen wandeln, einmal durch den Garten, den Blumen, Büschen, Sträuchern und Bäumen guten Morgen wünschen, die frische Luft tiefeinatmen und den ersten frischaufgebrühten Kaffee draußen trinken, während man zufrieden lächelnd den Blick in die Ferne schleifen lässt.

Ach, ich träume gerade ein bisschen, fühle mich wohl, und freue mich wie verrückt auf das Leben mit meinem Herzmann in Nordfriesland. Wir können jetzt schon ein wenig hineinschnuppern und ein Gefühl dafür entwickeln, wie es sein wird. Wir danken unseren Freunden, über deren Café ich demnächst auch mal schreiben werde.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

7 Comments

  1. Die Träumerin mit Bezug zur Realität. In allen Welten zu Hause und doch nur in wenigen Daheim. Wenn ich deine Texte lese, fange ich das Fühlen zum Träumen an. Ich spüre fast ein wenig das Gefühl, das du vermittelst. Bin kurz in einem Gefühl das ich nicht wirklich kenne. Daher fühlt es sich fremd an. Aber angenehm fremd. Dadurch ein wenig vertraut. Ich mag deine Abschweifungen in dein, keine Ahnung wo du da gerade verweilst. Es fühlt sich so lebendig, sehnsüchtig und doch gewiss an.

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    1. Weißt Du, was mich an Deinen Zeilen fasziniert? Die Formulierung

      „In allen Welten zu Hause und doch nur in wenigen Daheim.“

      Als ich den Satz las, konnte ich fühlen, dass es genauso ist. Ich nehme schnell eine Umgebung an. Ich finde mich schnell darin zurecht und damit ab. Doch ob ich dort bleibe und mich dort wirklich einrichte und einniste, das bleibt und ist fraglich.
      Schlummert da nicht doch noch dieses Gefühl voller Sehnsucht nach Weiterreisen? Zu jenem Ort, der zum Bleiben einlädt. Mit dem ich verschmelzen kann.

      Es ist nicht so, dass ich so nie fühle. Es kommt vor, dass ich es für eine Weile sogar empfinde, doch halt nur für eine Weile. Ich bewundere ja Menschen auch für ihre Beständigkeit, wenn sie erzählen, sie würden schon ihr Leben lang an dem Ort, in dem Haus wohnen und leben. Oder wenn Menschen mit erzählen, sie würden in der Firma schon arbeiten, seit sie dort gelernt haben… Für mich unvorstellbar!

      So bleibe ich wohl die durch die Welten reisende. Das birgt nicht nur Vorteile in sich. Mit den Orten gehen auch viele Menschen. Und umso älter ich werde, umso schwieriger wird das mit den Freundschaften. Den bleibenden, meine ich.
      „Kennenlernen“ tue ich schnell. Ich komme schnell ins Gespräch. Ich komme schnell ins Erzählen. Ach, ich schweife schon wieder ab.

      Für Dich einen zauberhaften Sonntag, lieber Robert.

      Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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      1. Ich fühle mich an Orten Zuhause aber nie Daheim. Weil es das für mich nicht gibt. Das ganze Leben beruht auf Wandel. Mal schneller, mal langsamer. So ist mein Geist ein unruhiger und meine Person ein Lebenskünstler.

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