Ganz schön viel frische Luft

„Sie behandeln uns wie Luft und vergessen, daß sie ohne Luft nicht leben können.“

(Walter Ludin)


Im Amselnest sind vier Junge aus den fünf Eiern geschlüpft. Piepsi Lotta und Herr Amsel sind emsig und schleppen beinahe pausenlos Regenwürmer und Insekten heran. Hin und wieder füttert Piepsi Lotta einfach eine Rosine; der Weg dahin ist so herrlich kurz.

Gestern war es ziemlich heiß. Da legte sich Piepsi Lotta kurzerhand in die Vogeltränke. Inzwischen haben wir drei davon in die Blumenkästen gestellt. Im ursprünglichen verdunstet das Wasser viel zu schnell.

Piepsi Lotta sitzt in der Vogeltränke (übrigens saß sie dort 20 Minuten lang)

Seit gestern bin ich für eine Woche wieder in der alten Heimat. Termine sind angesagt. Gleichzeitig kann ich so die Eltern und die Tochter besuchen. Das Notwendige mit dem Praktischen verbinden.

Es ist ein Unterschied in einem Haus mit Garten zu leben oder in einer Wohnung mit Balkon. Ehrlich, mit Garten ist man ständig an der frischen Luft, egal wie das Wetter auch ist. Eigentlich steht man schon morgens, noch im Schlafshirt, draußen. Und egal aus welchem Fenster man dort in Nordfriesland blickt, überall ist zwar plattes Land, aber auch jede Menge Leben.

Auf der einen Seite die Schafe, dann die Kühe, irgendwo Pferde, Unmengen an Vögeln, Rehe, Hasen, Insekten, Schmetterlinge (die werden gesondert aufgezählt), laute Kröten, zum Leitwesen einiger Leute Maulwurfshügel und eine vielfältige Pflanzenwelt. Aber das berichtete ich ja bereits.

Vorgestern hofften wir ja auf einen abenteuerlichen Abend, doch das endete ganz schnell wieder. Eine Kuh überwand die Einzäunung und galoppierte über die Nachbarwiese, die direkt an den Bahngleisen entlangführte. Wie wir erfuhren, kostet eine Minute Bahnausfall Eintausend Euro für den Landwirt, dessen Kühe auf den Gleisen spazieren gehen. Wenn man dann nicht versichert ist, kann das einen schon mal ruinieren.

Der Bauer war dann schnell informiert und war genauso zügig vor Ort. In wenigen Minuten war die flüchtige Kuh wieder bei den anderen. Am nächsten Tag mähte der Bauer das hohe Gras unter dem Zaun weg. Wuchs das nämlich zu hoch und gegen den Stromdraht, mindert das die Stromstärke.

Das Café meiner Freundin ist gut besucht. Die Menschen sitzen gern draußen – viele auch drin – und lassen den Blick genauso gern über die Weite schweifen, wie wir.

Es liegt aber sicher zum Teil auch an den selbstgemachten Torten meiner Freundin. Dafür steht sie viele, viele Stunden in der Küche. Demnächst gibt’s auch ein paar Fotos davon.

Jeden Tag ein Stück Torte hinterlässt allerdings Spuren auf den Hüften – und am Bauch. Essen ist ja auch ein Stück Lebensqualität, finde ich.

Zurück zur frischen Luft. Die macht einfach müde. Ich könnte immerzu schlafen, wenn ich denn schlafen könnte. Vielleicht bin ich aber auch so müde, wegen des mangelnden Schlafes. Ich weiß es nicht so genau.

Mein Mann, der war über Pfingsten wieder bei mir in Nordfriesland war, und ich haben dann auch zusammen eine Radtour gemacht und eine weitere Strecke erkundet. Nun ja, die Südermarsch sieht dann doch irgendwo und irgendwie überall ziemlich ähnlich aus. Platt, verstreute Häuser und Höfe, Kühe, Schafe, Vögel, Bäume, Büsche.

Ich schaue mir ja zu gern Grundstücke, Häuser und Höfe an. Stelle mir dann vor, ich würde dort leben und was ich vermutlich anders machen würde. Außerdem „klauen“ wir uns gern Ideen. Ideen für unser eigenes Haus.

Am letzten Freitag waren wir auch bei der Firma, die unser Haus bauen wird und haben weitere Punkte besprochen. In der 36. Kalenderwoche soll das Haus aufgestellt werden. Also in der ersten Septemberwoche. Vorher werden die Erdarbeiten erledigt und die Bodenplatte gegossen. Ich hatte ja auf einen früheren Termin gehofft.

Es ist ganz gut, schon vorher in Nordfriesland zu sein. Wir erfahren so eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass der Wind meistens aus Westen kommt und es gut ist, wenn man eine Terrasse hat, die auf der westlichen Seite geschützt ist. So haben wir das jetzt noch gut anders planen können. Außerdem können wir nützliche Kontakte knüpfen und Ideen vor Ort sammeln.

Ach, sowieso spüre ich, wie gut es mir dort tut. Ich brauche das Draußen-sein. Ich freue mich darauf, wieder einen eigenen Garten zu haben. Morgens schon die erste Runde im Garten drehen, schauen welche Blüten aufgegangen sind, ein wenig hier zupfen, da schneiden und dort dran riechen. Auch mit der Gießkanne Wasser spenden. Dann auf die Bank setzen und den ersten Becher Kaffee genießen, während man den Vögeln lauscht und eine Hummel beobachtet. So ungefähr, jedenfalls.

Wieder einmal konnte ich feststellen, wie sehr mehr, ich ein Landmensch bin, obwohl in einer Großstadt geboren und aufgewachsen. Ich habe sogar mitten im heftigen Geschehen einige Jahre gelebt – und ja, es auch in gewisser Weise genossen. Doch ich fahre lieber mal in die Stadt, wenn mir danach ist, als aufs Land. Lieber auf dem Land leben. Die Natur schenkt uns so viel. Ehrlich.

So, nun geht’s weiter, ich bin gerade dabei, französische Buttercroissants zu backen. Nun ja, noch bereite ich den Teig zu. Gleich hole ich ihn aus dem Kühlschrank und packe Butter hinzu und rolle ihn wieder platt, um ihn dann wieder zusammenzufalten … Der Hausmeister fährt mit dem Aufsitzmäher über den Rasen. Mein Mann meint „der Traum eines jeden Mannes“, einmal mit so einem Mäher fahren zu können. Kann ich nicht verstehen, habe ich schon häufig gemacht. Ist einfach nur laut und stinkt. Männer halt. Die Stiefmütterchen in unseren Pflanzenkästen sehen immer noch traumhaft aus. Da wir aktuell sowieso, wegen der Amseln, nicht pflanzen mögen, freuen wir uns natürlich darüber.

Also bis bald, ihr Lieben.

Liebe Grüße von Herzen, Kaya

© Kaya Licht

11 Comments

  1. Also doch wieder weg vom Norden. Der Tip mit der Terrasse kam gerade noch gut. Und so ein Rasentraktor ersetzt ja das einen Sportwagen. Ich hatte einmal ein Haus mit 2.000 qm Grundstück gemietet und da gehörte so ein Teil dazu. Rasenmähen machte auf einmal Spass: Zigarettenschachtelhalter und Cupholdet am Armaturenbrett. Dazu noch so eine Art Ghettoblaster.. Pro 500 qm ein Bier und 2 Zigaretten..Der Tag war mein Freund ☺️☺️

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Kaya,
    schön wieder von dir zu lesen.
    Es freut mich das der Bau eures Traumhauses also nach den Bauferien endlich startet. Ich muss dir Recht geben, es ist einfach schön einen eigenen Garten zu haben.
    Mach dir einen schönen Abend und schlafe dich gründlich aus.
    Liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke liebe Monika,
      den schönen Abend, den machen wir uns gleich. Den Nachmittag habe ich im Garten bei meiner Tochter verbracht. Jetzt hofften wir auf einen dicken gewittervollen Regenguss. Doch es blieb dann doch nur bei einem dunklen Himmel und mächtig viel Grummeln. Schade.

      Gefällt 2 Personen

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