Für mich entschieden

„Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, tolerant, respektvoll und rücksichtsvoll zu sein.

Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, denn jeder hat seine eigene Geschichte, Ängste und Erfahrungen.“ (Gila Delbrück)

(https://giladelbrueck.de/respekt-und-toleranz/)

Zwischen Küchenplanung, schlaflosen Nächten, Schlachtfeld in der Wohnung (wegen Kofferpacken) und dem Wundern darüber, dass ich bei der Zusage zu einem Termin beim Zahnarzt Freude empfinde, die Erkenntnis: ich mag nicht mehr.  

Diese Leichtigkeit, die mich sonst erfüllt (hat), während ich schreibe, die ist mir im Laufe der vergangenen Wochen immer mehr abhandengekommen. Das wurde mir so richtig deutlich, als ich mich mit dem gestrigen Beitrag herumquälte, von dem dann auch noch die Hälfte verloren ging, nachdem ich den Button „Veröffentlichen“ drückte. Mir wurde klar, wie es mir immer schwerer fällt, frohgestimmte Beiträge zu formulieren.

Diese ganzen Bestimmungen, die sich wie schwere Gewichte und Kletten um den Virusmythos ranken, nimmt mir nicht nur die Luft zum Atmen, sie schneiden mich auch von meiner Kreativität und Schaffenskraft ab. Das leichte Fließen, wenn die Worte wie von selbst durch meine Finger flattern, während ich in die Tasten schlage, ist verflogen. Es ist, als hätte jemand irgendwo Paket für Paket übereinandergeschichtet und nun kommt da nichts mehr durch. Alles ist wie abgeschnürt und durchtrennt. Auf unbestimmte Zeit: Ende.

Themen-Notstand. Meine Welt ist leergeworden. Keine Erlebnisse. Keine Erfahrungen. Stillstand. Leblosigkeit. Alles dreht sich scheinbar nur noch um dieses Virus, als würde es auf diesem Planeten nichts anderes mehr geben. Vieles hat man einfach verboten, stark eingeschränkt und überhaupt. Wer nicht pariert, der…

Am Anfang kam ich damit noch gut klar. Wir gingen halt häufiger spazieren, die Einkäufe wurden auf ein Minimum reduziert. Friseur und solche Sachen auf „später“ verschoben. Für eine Weile alles kein Problem.

Dann waren da bisher ja auch noch jede Menge Reserven auf dem Laptop abgespeichert, ein paar alte Texte in Ordnern abgeheftet. Alles Sachen, auf die ich für Notzeiten zurückgreifen konnte. Einfach ein bisschen aktualisieren und aufarbeiten. Doch jetzt ist der kreative Teil in mir wie tot. Der braucht Lebendigkeit. Der braucht Abwechslung. Der braucht Freiheit. Der braucht Leben. Der braucht Lebensfreude. Der braucht Menschen.

So gebe ich mir jetzt einfach mal ein wenig Zeit, schaffe einen Raum, damit die Kreativität und die Schöpferkraft sich wieder neu entfalten können. Frei von diesen negativen Schlagzeilen. Überall durchdringt es alles. Egal mit wem man spricht, sobald man Fernsehen oder Radio einschaltet oder die Schlagzeilen durchblättert. Und dann immer der Tenor „Wie halten zusammen, wir bleiben alle (brav) zu Hause“ und die feinen Zwischentöne posaunen heraus: „Wenn du das nicht tust, dann bist du ganz böse und wir zeigen mit unseren Fingern auf dich!“ Das ist eine Entwicklung, die man zwar schon vorher, bei anderen Themen beobachten konnte, doch jetzt hat sie – meiner Meinung nach – einen absolut gravierenden Höhepunkt erreicht und das gefällt mir überhaupt nicht. Nun könnte ich noch eine ganze Menge mehr schreiben, auch darüber, wieso ich denke, wie ich denke, doch genau das will ich nicht.

So fange ich gleich damit an meine Sachen zu packen und übermorgen fahre ich dann nach Nordfriesland. Dort lasse ich mir dann den Wind um die Ohren pusten, lächle die Kunden im Café freundlich an, fahre mit dem Fahrrad durch meine neue Heimat und treffe Menschen, die genauso denken und fühlen wie ich.

Danke, dass ihr bis zum Schluss gelesen habt und ich finde euch alle großartig. Ihr macht das alles richtig. Keiner ist falsch. Keiner ist verkehrt. Jeder von uns tut es so, wie er es für sich am besten hält. So ist der Mensch gestrickt.

Ganz liebe Grüße von Herzen, Kaya

P.S: Ich komme ganz bald ganz bestimmt wieder!

© Kaya Licht

20 Comments

  1. Na, na – das Reisefieber hat Dich aber ganz schön erwischt. Aber immer noch besser als die andere Seuche. Erst einmal im Norden angekommen sieht vieles wieder leichter aus und geht dann auch wieder wie von selbst. Du schaffst das schon, würde Mutti Merkel sagen. Es sind aber in der Tat grosse Veränderungen, die jetzt auf Dich zukommen. Und manchmal wundert man sich hinterher wie man das eigentlich geschafft hat. Aber da ist ja immer noch die Freude auf das Neue und teilweise Unbekannte. Bewahre Dir diese Freude und Du wirst mit Sicherheit glücklich (bleiben). Alles Gute für das große Abenteuer und erst einmal gute Reise! LG Jürgen R.

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    1. Hallo lieber Jürgen, so sehe ich das auch. Erst einmal im Norden ankommen. Und es sind tatsächlich viele kleine Dinge, die erledigt werden wollen. Ein Formular ausfüllen, eine Überweisung tätigen, einen Anruf nicht vergessen, Termine abstimmen, irgendwo hinfahren, Sachen durchlesen und verstehen, etwas besprechen und die Ausführungsplanung schon mal durchdenken – wo soll eine Steckdose hin, wo der Lichtschalter für welches Licht… Du kennst das ja auch alles.
      Ich bin ja nicht aus der Welt. Ich schreibe einfach erst einmal keine eigenen Beiträge, bis ich wieder „klar denken kann“. Bei euch zu schmökern, das lasse ich mir sowieso nicht nehmen.
      Vielen Dank für Deine lieben Zeilen!
      Liebe Grüße von Herzen, Kaya

      Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Valentin, ich danke Dir. Ich bin auch schon so gespannt und auch aufgeregt. Ich will doch gar nicht wirklich wegbleiben. Einfach nur mal kurz, bis ich mich wieder beisammen habe und außerdem werde ich doch bei Euch weiterlesen… vielleicht nicht jeden Tag. Ach, und wer weiß, vielleicht ist diese Pause ja auch nur von kurzer Dauer. Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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    1. Hallo Liebe Sovely, vielen lieben Dank für Deine Zeilen. Ich brauche solche Auszeiten häufiger mal. Es sind auch immer nur ein paar Tage. Da ich jetzt parallel sowieso praktisch umgezogen bin und zeitgleich mit einem neuen Job, da fehlt mir sowieso die Zeit zum Schreiben und ich nutze das dann auch, um mich wieder „ins rechte Lot zu rücken“. Alles ist gut, wirklich. Und Deine Zeilen fühlen sich richtig schön an.
      Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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  2. Verzweiflung als Programm. Ja die Welt da draußen ist nicht einfach, wenn man sich von der echten Welt abschneiden läßt. Daher finde ich deine Entscheidung, die richtige Welt wieder zu genießen großartig. Du beschreibst wunderbar die Auswirkungen, die alle spüren aber viele nicht greifen können. Fühlen ja, begreifen nein. Keine Erlebnisse, Abenteuer mehr. Die Sicht nur noch durch Medien wie Smartphone und Fernseher, haben wohl auch dem letzten klar gemacht, was der Mensch wirklich braucht. Andere Menschen, Freiheit, Abenteuer und Liebe. Daher sollten wir alle die „Koffer packen“ und uns zurück holen, was wir alle in dieser Zeit verloren. Ohne Smartphone, Fernseher kann jeder leben, ohne Menschen und Freiheit keiner. Erholte dich. Werde wieder lebendig und dann bereichern uns wieder, mit deiner so angenehmen Gegenwart.
    LG Robert

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    1. Danke Robert.
      Ich bin jetzt seit dreieinhalb Tage hier in Nordfriesland. Ich erlebte schon einen sommerlichen, warmen Tag, Regen, Sturm und auch Kälte. Ich hörte und sah einen Kuckuck, beobachtete Kraniche und Bussarde, die direkt an mir vorbeiflogen. Ich höre den Wind in den Baumwipfeln, die Spatzen vor meinem Zimmerfenster. Auf der Wiese gegenüber sind ständig die Hasen, manchmal erkennt man nur ihre Ohren zwischen dem hohen Gras. Ich war an der Küste und ließ mir den Wind um die Ohren pusten. Saß im Garten unsere Freunde auf einer windgeschützten Bank und genoss die Sonne. Hier gibt es eine Ruhe, die lässt sich durch keine Ruhe in Städten, egal welcher Größe, vergleichen. In einer wolkenlosen Nacht kann man die Milchstraße sehen. Hier verbringst du fast den ganzen Tag draußen, weil das Leben dort stattfindet. Ja, ich habe auch im Café geholfen, wunderbare Menschen direkt und unmittelbar kennengelernt.
      Ich werde bald mehr davon berichten. Für Dich einfach schon mal eine Kurzfassung.
      Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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      1. Vielen Dank. Das hört sich wundervoll an. Das Meer und der Wind allein diese Combi ist unbeschreiblich. Ich sollte das auch mal wieder machen. In einer Umgebung wie der Deinen zur Zeit, müssen einem automatisch positive Gedanken kommen. Freue mich darauf mehr davon zu hören.
        Lg Robert
        Genieße diese schöne Zeit weiterhin mit allen Sinnen.

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