Die Kraft der Bäume

Der Baum, seine Rinde, die Lichter, die durch sein Blätterdach fallen, auf dem Boden tanzen und glitzern, Sonnenstrahlen auf der Haut.

Bäume haben für mich etwas Mystisches. Ich könnte es nicht einmal mit Worten beschreiben. Wenn ich irgendwo einen alten Baum sehe, dann frage ich, was kann er mir für Geschichten erzählen? Was hat er schon gesehen und gehört? Was hat er schon alles erlebt?

Wenn so ein Baum in einem Park oder Wald steht, dann denke ich, ihm geht es gut hier. Wenn ich einen alten Baum, auf einer Insel, inmitten von Straßen und Häusern sehe, dann frage ich mich, wie er sich wohl dort fühlt.

Manchmal, wenn es mir nicht so gut geht, dann suche ich einen Baum auf und spreche zu ihm. Das mag für den einen oder anderen verrückt klingen, doch das ist mir egal. Mir tut es gut und mir gibt es auch Kraft. Bäume sind Balsam für meine Seele, die sich hin und wieder ganz zerschunden anfühlt.

Und manchmal gehe ich auch zu einem Baum und suche einen Platz in seiner Nähe, wo ich im Rahmen eines Rituals, in die Erde ein Loch grabe und etwas dort hinein lege, um es abzugeben. Dann stelle ich mir vor, wie der Baum sich seiner annimmt, zusammen mit der Mutter Erde und beide es tief in die Erde gleiten lassen, wo es sich irgendwann auflöst und selbst zu Erde wird.

Nun, ich glaube, auch wenn wir alle nur noch an Wirtschaft, Profit und Macht denken sollen, um diesen angestrebten Erfolg im Leben haben zu können, ist ein Teil in uns, der das Mensch-Sein ausmacht, immer noch verhaftet und verbunden mit der Natur und all‘ ihren Facetten, die sie uns zu bieten hat. Wenn wir mal still sind und nicht darüber nachdenken, was scheinbar so wichtig ist, dann können wir auch die Stimme der Natur hören, egal, ob nun durch den Wind, den Regen, den Sturm, die Erde, den Berg, den Vogel, die Biene oder eben den Baum.

Für mich hat das Eintauchen in die Natur einen sehr beruhigenden und wohltuenden Effekt, den ich nicht missen möchte, gerade in der heutigen Zeit, in der alles aus den Fugen zu geraten scheint.

In Liebe, Kaya

(c) Kaya Licht



16 Comments

  1. Bäume sind so vieles, so ungemein vielschichtig. Es sind Lebewesen, das lässt sich ganz deutlich erfühlen, wenn man mit offenen Sinnen durch einen Wald spaziert. Mit Bäumen sprechen tue ich nicht, aber ich fühle mich in der Gegenwart großer und starker Bäume stets gut behütet und geborgen…
    Manchmal praktiziere ich eine Art Spiel, das ich vor Jahren mal in einem Buch von Frank Schätzing entdeckt habe: Du stehst vor einem Baum. Wie viele Wesen siehst du? – Eines. – Schau genauer hin. Wie viele Wesen siehst du? – In der Baumkrone befindet sich ein Amselnest, es wird bebrütet. Einer der Altvögel sitzt auf einem starken Ast links hoch oben und beäugt mich misstrauisch. Ich sehe mindestens drei Wesen. – Stimmt immer noch nicht. Schau genauer hin… Dieses Spiel kann man mit etwas Konzentration endlos lange fortsetzen, bis man zumindest einen Bruchteil der vielen hundert größeren, kleinen und ganz kleinen Kreaturen entdeckt hat, die sich in einem einzigen Baum befinden. Und es macht immer wieder viel Freude, macht aber auch ergriffen und etwas demütig…
    Hab einen schönen Tag – und bleib gesund!

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    1. Schöne Idee, sich einem Baum zu nähern. Ich habe das früher oft mit dem Rasen so gemacht. Ich legte mich ins hohe Gras und habe meinen Blick einfach über den Boden, zwischen den Grashalmen wandern lassen. Umso länger ich dort lag, umso mehr habe ich dabei entdeckt.
      Für Dich auch einen zauberhaften Tag.

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  2. Du bist eine weise Frau. Bäume sind unsere besten Freunde, weil sie durch ihr Abblättern im Herbst – wie auch andere Pflanzen – für die Nahrung der Würmer sorgen und die Würmer sorgen für die Humuserde, die pflanzliches Leben erst ermöglicht.

    Ohne Pflanzen wie die erhabenen Bäume wäre kein Leben auf der Erde möglich. Zuerst waren die Pflanzen, dann kamen die Tiere und Menschen. Frag mich bitte nicht, was zuerst da war, der Baum oder der Wurm – da muss ich passen.

    Doch der Wurm ist genauso wichtig in unserem Lebenskreislauf. Würmer in der Gartenerde sind immer wichtig, weil sie wirklich das Abgestorbene zu neuem Leben erwecken. Mal so gesagt: Wenn Würmer scheißen entsteht etwas Fruchtbares.

    Ich bin kein Botaniker, sorry. Es gibt aber auch die Sage, dass Pflanzen über ein Bewusstsein verfügen und dass sich Bäume gegenseitig warnen, wenn einer mit der Kettensäge oder Axt in den Wald kommt. Wie muss das „Schnittlauch“ im Garten dann erst leiden – allein durch die Bezeichnung – wie müssen die Gemüse leiden, wenn sie gekocht werden in den Öko-Töpfen der Vegetarier und Veganer. Hört denn keiner ihr stilles Schreien? Pflanzen leben auch.

    Was dein Ritual betrifft und das Sprechen mit Bäumen, kann ich dich nur bestärken: Man kann mit einem Problem abschließten, indem man es aufschreibt und der Erde unter einem Baum übergibt. Und man kann sich von Problemen befreien, wenn man mit Bäumen spricht, weil sie zuhören können, ohne einen zu unterbrechen und immer Antwort geben. Man spürt die Antwort im Geraschel der Blätter im Wind oder wenn ein Vogel auffliegt, weil sich die Krone des Baumes nach vorne verbiegt, als wollte sie „ja“ sagen, als hätte sie verstanden.

    Wir als Menschen haben den Instinkt verloren, die Gabe zum Einssein mit der Natur, die Gabe zu verstehen, wie alles miteinander redet und kommuniziert, die Sprache der Natur ist uns fremd geworden, weil wir in logischen Worten reden, dabei dachten wir einst in Bildern. Sich auf die Bilder wieder einlassen können, erfordert Abstand von der tägliche gelebten Realität, wo es nur noch um Geld und Macht geht und um Haben – und noch mehr Haben.

    „Haben oder Sein“ ist ein Buch von Erich Fromm, das ich früh gelesen habe und das mich sehr beeinflusst hat. Ach Scheiße: Ich wollt doch keine Bücher mehr empfehlen. Sorry. Natürlich absolviere ich jetzt Doppelschichten in meiner Firma, aber ich arbeite da ja normalerweise nur vier Stunden am Tag, als jetzt mal kurzzeitig acht Stunden.

    Dass ich theoretisch nur vier Stunden am Tag arbeite, liegt daran, dass ich mehr Zeit zum Lesen und Schreiben, zum Leben und Denken habe. Dafür verzichte ich auch auf vieles. Aber meine Freiheit ist mir wertvoller als Urlaub und Auto usw.

    Danke für deine schöne Geschichte. LG Sven 🙂

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    1. Wow, ich danke Dir. Es freut mich, wenn Dir meine Geschichte gefällt.

      Für mich ist die Natur der Ort, in dem ich mich am leichtesten und besten wieder ordnen kann. Wenn ich im Wald bin, kann ich Kraft schöpfen. Ich kann mich dort stundenlang auf einen alten Baumstumpfen setzen und beobachten oder auch mit geschlossenen Augen lauschen.

      Es soll übrigens tatsächlich stimmen, dass Bäume miteinander kommunizieren können. Ich sah darüber mal eine Reportage im Fernsehen – sehr interessant. Es können allerdings eigentlich nur die richtig alten und „natürlichen“ Bäume. Damit meine ich Bäume, die nicht, wie in einem Forst, in Reih und Glied gepflanzt wurden, um nach ein paar Jahren abgeholzt zu werden.

      Diese richtig alten Bäume sind über ihre Wurzeln miteinander verbunden. Wenn sich an einem Baum ein Schädling zu schaffen macht, sendet dieser Baum diese Information an die nächsten Bäume und so geht es immer weiter. Dadurch können diese Bäume gleich mit ihren Abwehrmechanismen beginnen. Dadurch sind sie robuster und widerstandsfähiger.
      Da der Mensch aber gerade auch solche alten Bäume fällt oder große Flächen zwischen großen Bäumen, fällt ihnen diese Verbindung untereinander und sie werden anfälliger für Schädlinge, da sie sich nicht mehr gegenseitig warnen können. Die jüngeren Bäume besitzen diese Fähigkeit noch nicht und die Bäume in den künstlich angelegten Wäldern wohl auch nicht so richtig.
      Wo der Mensch sich in der Natur einmischt, geht’s meistens schief.

      Pflanzen leben natürlich! Obwohl ein Schnittlauch ja nachwächst ;-). Allerdings habe ich so gar kein Verständnis für das, was der Mensch in diesem Bereich so anstellt. Wegwerfen, was das Zeug hält. Ist eine Karotte zu krumm, weg damit. Das gleiche gilt für Gurken, Spargel … Auch Tomaten und Kartoffeln müssen wie in eine Norm passen, sonst dürfen sie nicht verkauft werden.
      Der Mensch ist einfach … mir fehlen gerade die Worte!

      Ich kann Dich gut verstehen, nur vier Stunden am Tag zu arbeiten und dafür auf Dinge zu verzichten, der Freiheit zuliebe. Sowieso, das mit der Freiheit ist ja auch bei mir ein ziemlich ausgeprägtes Thema.

      Bei mir waren die vergangene Tage ziemlich voll. Ich hoffe, in den nächsten Tagen mal wieder mehr zum Lesen zu kommen.

      Dir noch einen zauberhaften Abend, Kaya

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  3. In Japan wird Gestressten längst die „Waldmedizin“ empfohlen.
    Genau genommen sind wir alle ein Teil der Natur, wir können nicht ohne sie und wo unsere Ahnen einst mit ihr in Harmonie lebten und ihren Rhythmus teilten, fehlt das heute vielfach.
    Das Schönste kann man sich einfach nicht kaufen – ein Spaziergang zwischen den Bäumen, auf einer Wiese liegen und Wolken beobachten oder einfach im Wald meditieren – eins sein, mit allem.

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    1. Genauso ist es. Ist man gestresst und findet keinen Weg zurück zur, ich nenne es jetzt mal inneren Ruhe, dann kann so ein Waldspaziergang sehr wohltuend und erdend wirken. Ach ja, und das auf der Wiese zu liegen, ist ein erhabenen Gefühl. Allerdings ist der Blick ins Gras auch spannend – wenn man dann anfängt zu erkennen, wie viel Leben dort steckt.

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      1. Mir gefallen die Flecken am besten, wo keine Menschen sind – weil die Ruhe am Größten ist. Wo die Verbindung zur Natur am stärksten ist.

        der letzte Gedanke, ja, wir dürfen die kleinen DInge keinesfalls außer acht lassen

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          1. Bleibt nur zu hoffen, dass die relative Ruhe der letzten Wochen einen positiven Trend auslösen könnte – auch, wenn ich das in Wien hier nicht wirklich sehen kann.

            Menschen sind mitteilsame Wesen, aber manchmal könnte etwas mehr schweigen ganz gut tun …
            Es ist wunderschön, das Zwitschern der Vögel oder auch einfach nur das Rauschen eines Baches zu hören.

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          2. Einfach nur irgendwo in der Natur sitzen und lauschen. Umso ruhiger und stiller man selbst wird, umso mehr nimmt man die Natur wahr. Sie ist gar nicht immer leise, aber ruhig. Anders kann ich es gar nicht erklären. Es ist wunderschön hier.

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          3. Stimmt, du hast recht, müssen wir denn alles erklären können?
            Ein einziges Mal erlebte ich die absolute Stille in der Natur, bei hohem Schnee und eisiger Kälte, wo die Stille in den Ohren schmerzte.

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