Sonntagsallerlei und die Frage – wann ist etwas Kunst?

„Kunst ist die Wiedergabe dessen, was die Sinne in der Natur durch den Schleier der Seele erkennen.“ (Edgar Allan Poe US-amerikanischer Schriftsteller 1809 – 1849)

Gestern noch Sonne satt und sommerlich warm. Heute Wolkenfetzen, Wind und kühle Luft. Die Eisheiligen, Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia – die wir als die eisige Sophie kennen, haben Platz genommen.

Frau Amsel presst sich in ihr Nest – ein Ei hat sie gelegt. Ein grünes Ei. Heute Morgen landet ein anderes Amselpaar auf dem Balkon. Das gefällt Frau Amsel überhaupt nicht und Herr Amsel lässt sich ganz schön viel Zeit, um ihr beizustehen. Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt.

Gestern wollte ich die Stiefmütterchen aus den Balkonkästen unten in die kahlen Beete neben der Haustür umsiedeln. Doch nun will ich nicht so viel Rabatz auf dem Balkon veranstalten. Die Sommerblumen kommen jetzt zum Friedhof auf das Grab. Vermutlich aber erst am nächsten Wochenende. Hier stehen sie kuscheliger und eisfrei in ihren Kartons und Plastiktöpfen.

Das Buch „Nach dem Sturm“ habe ich bereits vor vier Tagen zu Ende gelesen. Ich gestehe, ich mag ein Ende, das mir ein wohliges Gefühl beschert und wenn ich ein Buch nur mit schwerem Herzen zuklappe und am liebsten wieder zurück in die Geschichte schlüpfen möchte. „Nach dem Sturm“ gehört nicht zu diesen Büchern.

Es ist wohl eine interessante Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und es entsprach meinem Bestreben, etwas über meine baldige Heimat zu lernen. Doch nun freue ich mich auf andere Geschichten.

Seit inzwischen drei Tagen lese ich – sofern es die Zeit erlaubt – „Siddhartha“ von Hermann Hesse. Ein schon häufig gelesenes Buch, das jetzt zurück in mein Bewusstsein drang, nachdem ich durch einen anderen Blogger daran erinnert wurde. Eine Erinnerung daran, sich doch mal wieder mehr auf sich selbst zu konzentrieren und sich nicht so sehr von der Außenwelt gefangen und einnehmen zu lassen. Der Lärm von draußen kann auf Dauer doch ziemlich anstrengend werden. Da erscheinen eine Rückbesinnung und eine Innenkehr in den eigenen stillen Raum hin und wieder doch sehr wohltuend.

Auch ein nächstes Buch hat sich bereits bei mir angekündigt. Meine Freundin aus Nordfriesland legte mir das Buch „Die zwölfte Prophezeiung von Celestine“ von James Redfield nahe. Es würde jetzt gut passen, meint sie, da die Prophezeiung einiges von dem, was jetzt passiert, mehr oder weniger ankündigt. Das Buch erschien 2011. Da ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern kann, zog ich es schon mal aus dem Bücherregal heraus.

Gestern gingen wir in einer ganz anderen Ecke dieser kleinen Stadt spazieren. Es handelte sich um ein Neubaugebiet. Nun, ein paar Jahre stehen die Häuser dort schon. Früher waren dort Streuobstwiesen und Erdbeerfelder. Ganz hinten irgendwo, steht noch ein einzelnes altes Haus, inmitten großer alter Bäume.

Ich fühlte mich wie in eine Ferienhaussiedlung an der Ostsee versetzt, als wir durch die Straßen gingen und Menschen uns, hinter niedrigen Hecken sitzend, begrüßten. Es hätte mich nicht gewundert, wenn hinter der nächsten Ecke eine Promenade aufgetaucht wäre, wo ich in kleinen Läden jede Menge Ramsch und Postkarten hätte kaufen können.

In dem Stadtgebiet gibt es Reihenhäuser, Wohnungen, Doppelhäuser und auch Einzelhäuser. In einigen Ecken kann man sich verlaufen, denn ein Haus gleicht dem anderen. Die Grundstücke erinnern an Badehandtücher am Strand. So groß wie nötig, so klein wie möglich. Auf wenig Platz, viele Grundstücke. Dazu im Gegensatz, die freigebliebenen Grünflächen mittendrin. Viele Wege zum Spazierengehen. Freie Grünflächen nicht gemäht, voller bunter Blumen und jungen Obstbäumen. Dann auch wieder ursprüngliche Flächen und kleine Tümpel und Teiche. Dazwischen verwaiste Kinderspielplätze. Dafür überall Kinder in den Gärten und auf den sehr ruhigen Straßen, die überall in Sackgassen enden. Kreidekunstwerke auf dem Asphalt. Ein Eiswagen fährt herum und läutet mit seiner Glocke. Wir holen uns einen Erdbeerbecher. Am Wagen klebt ein Schild: „Nicht innerhalb von hundert Metern verzehren!“ Der Mensch  (allgemein) hat sie nicht mehr alle.

Keiner mit Mundschutz weit und breit, nur an den Bushaltestellen. Ein Hase rennt an uns vorbei.

An einem Ende dieses Wohngebietes dann ein Meer von Mehrfamilienhäusern. Eng an eng. Viele Stockwerke hoch. Schatten fällt von einem Haus in die Fenster des anderen. Da war das Ferienhaussiedlungsgefühl gleich wieder futsch. Ein Supermarkt hat seine Anlieferungsrampe direkt neben den Balkonen eines dieser Häuser. Auf dem Parkplatz stehen Harley-Motorradfahrer mit ihren Maschinen und lassen Musik und Motoren dröhnen. Innerhalb von Sekunden in einer anderen Welt, als hätten wir irgendeine Grenze verpasst.

Heute Morgen denke ich über das Wort Kunst nach und was überhaupt Kunst ist. Wann fängt Kunst an? Wann hört sie auf? Und wer entscheidet, was dazu gehört?

Ich selbst bin eine ewig selbstkritische Person. Was mir heute an meinen eigenen Werken noch gefiel, wird morgen schon wieder auseinandergerissen, zerpflückt und mit Argusaugen betrachtet. Was ich gestern mit wenig Wohlwollen betrachtete, berührt heute schmeichelnd meine Seele.

Ich habe noch keine für mich befriedigende Antwort gefunden – ich bleibe dran.

Herzliche Grüße, Kaya, das Licht

P.S.: MurmelMeister https://murmelmeister.com/ hat mich für den „Awesome Blogger Award“ nominiert. Das lässt mein Herz natürlich gleich ein bisschen höher schlagen und vor Freude jubilieren. Auch rauschen so ein paar feine Schauer durch meinen Körper. Ich will das jetzt erst mal wirken lassen und komme dann später noch einmal darauf zurück.

© Kaya Licht

12 Comments

  1. Grade vorhin hatte ich Hesses „Siddharta“ in der Hand. Und das „Glasperlenspiel“. Ich war auf der Suche nach einem Gedicht des von mir sehr verehrten großen Künstlers, das sich mit einigen Bildern kombinieren lässt, die ich gestern auf der Wanderschaft durch den Englischen Garten gemacht habe. 😉 Beide Bücher stehen seit längerem schon auf meiner „Will-mal-wieder-lesen-Liste“ ganz weit oben. 😉
    Hab einen guten Tag!

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    1. Wie spannend. Scheint der Hermann Hesse aktuell wieder hoch im Kurs zu stehen. Ich hoffe, Du hast das Gedicht finden können. Die Fotos von Deiner Wanderschaft sind wirklich gelungen. Aber das kommentierte ich ja schon unter Deinem Beitrag.
      Herzliche Grüße, Kaya Licht

      Gefällt 2 Personen

  2. Du hast dir einen schönen neuen Vornamen gesucht. Ich überlege, ob ich Kaya schon einmal gehört habe. Dann muss ich dich jetzt also nicht mehr mit C. anreden, was ja bisher unter den Beiträgen stand.
    Kaya Licht – eine interessante Zusammenstellung.
    Ganz am Anfang nannte ich mich auch nur Himmelhoch – aber so angesprochen, gefiel es mir nicht. Deswegen kam dann die Clara dazu.
    Einen schönen Abend wünsche ich dir

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    1. Guten Morgen liebe Clara,
      solange ich mit meinem „Blog-Kunstwerk“ noch nicht zufrieden bin, wird es wohl noch häufiger Veränderungen. Der Name Kaya Licht, trägt halt noch eine Verbindung zu mir. Kaya ist ein Name, der mir sehr nahe steht und Licht ist einmal der Name, den mir viele Freunde gaben und auch noch geben. Ich fand, dass das besser klingt, als einfach nur „das Licht“.
      Dir einen zauberhaften Tag, Kaya

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  3. Hermann Hesse wird immer in Krisenzeiten bevorzugt gelesen. Mich hat der Autor fasziniert, weil ich immer beim Lesen seiner Werke so ein Verständnis, so eine Wärme herauslese, die mir etwa bei Thomas Mann fehlt, der ja sein Freund war und mit ihm auf eine Stufe gehoben wird. Aber mit Thomas Mann konnte ich mich nie anfreunden, habs versucht, aber seine Prosa berührt meine Seele nicht.

    Auch bei Poe finde ich so eine direkte Ansprache an den Leser, womit ich mich gut identifizieren kann und gerade in seinen Geschichten des Scharfsinns arbeitet er viel mit nonverbaler Kommunikation. Sein Detektiv ist der Vorläufer von Sherlock Holmes und eigentlich der erste Detektiv der Weltgeschichte, der allein aus der Körperhaltung eines Menschen vieles ablesen kann. Die Schriftsteller waren sowieso die besten Psychologen, lange bevor diese fragliche Wissenschaft ins Leben gerufen wurde.

    Am Glasperlenspiel habe ich mich vergebens versucht, aber das Leben in einem Kloster ohne Frauen sagt mir nicht so zu. Es ist ja auch Hesses Alterswerk und enthält wohl eine Menge an erfahrener und angelesener Weisheit. Dabei sagen einige, das „Glasperlenspiel“ nicht als Buchtitel, sondern als solches, sei schon die Vorahnung vom Internet gewesen .. Teilweise kommt mir Hesse auch etwas zu Lehrerhaft rüber ..

    Poe hingegen übermittelt seine Weiheiten unterschwellig. Man liest eine seltsame Geschichte, die aber immer noch einen unterschwelligen Sinn vermittelt. So zeigt etwa „Der Untergang des Hauses Ushers“ die Dekadenz des Adels durch Inzucht und Größenwahn auf oder in „Das System des Dr. Teer und Prof. Feder“ fragt man sich, wer in einer Irrenanstalt wirklich die Irren sind, Poe gibt keine Antworten wie Hesse, aber er stellt indirekt geschickte Fragen, die man überlesen kann und trotzdem eine spannende Story goutiert haben kann. Immer ist aber ein tieferes Problem bei Poe aufgegriffen. Das ist für mich Kunst.

    Kunst ist schwer zu definieren, aber das ist für mich auch und ich betone „auch“ ein Merkmal der Kunst, wenn hinter der Geschichte oder hinter dem Bild noch ein tieferer Sinn – bei Bedarf – herauszulesen bzw. herauszusehen ist. Besonders gut finde ich diese Kunstwerke, wo sich jeder je nach Lebenssituation etwas herausdeuten kann, wo der Beschauer oder Leser erst zur Deutung als wesentliches Element hinzutritt.

    Deshalb ist ein Stephen King für mich eben nur ein Trivialautor – auch wenn mir viele widersprechen – und ein Edgar Poe eben ein wahrer Künstler. Ich kann mich natürlich irren. Dennoch hat auch das Triviale seine Berechtigung und der Kitsch. Denk an Heintje: Wieviel Mamas und Omas hat er beglückt?

    Als Ich „Mama“ mal wieder in einer Krimiserie hörte, hatte ich drei Tage eine Schreibblockade ^^

    Schönen Abend dir und deinen Lieben wünscht Sven ❤

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  4. Hi Kaya, das ist ganz viel Input und ich freue mich immer von Dir zu lesen. Apropo Lesen, ich komme mit meinen Büchern momentan nicht hinterher. Es gibt so viele schöne und der Stapel wird immer größer. Herman Hesse ist auf jeden Fall immer wieder gern gesehen, wenn gleich es mir nicht beim sortieren hilft, sondern meist noch viel mehr Fragen aufwirft. In dem Sinne, herzliche Grüße an Dich und ich hoffe sehr, dass ich Dich mit dem Blog Award Thema nicht mit zu vielen Fragen überlaufen habe. Alles Liebe, Sovely

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    1. Hallo Sovely, alles gut. Die Fragen habe ich schon alle beantwortet. Mir fällt es gerade schwer mich zu entscheiden, wenn ich nun nominiere …
      Das mit dem Stapel Bücher kenne ich auch gut. Ich habe so einen großen Beutel, da packe ich immer neue Bücher rauf, „die ich noch lesen will“. Eigentlich habe ich gar keine Zeit mehr für irgendetwas anderes, wenn ich die Bücher aus dem Beutel endlich mal durchlesen will.
      So, nun mache ich mal weiter, damit ich das Schreiben bezüglich des Blog Award Themas fertigbekomme.
      Dir noch einen schönen Tag, Herzliche Grüße, Kaya

      Gefällt 1 Person

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