Ein sonniger Maimorgen – und es ist bald soweit, Nordfriesland ruft mich!

Heute sind wir früh hoch. Mein Mann hat heute Abgabetermin. Ja, ich bevorzuge die deutschen Worte, weil ich diese so viel klangvoller und auch begreifbarer finde, als die neumodischen angesagten englischen Begriffe, die sich langsam und in großen Mengen in unsere Sprache ergießen. Mir gefällt das überhaupt nicht und ganz ehrlich; wenn ich im Fernsehen eine Lehrerin mit ernster Miene von „Home-Schooling“ sprechen höre, wird mir echt übel und ich muss mich einfach vor lauter Grauen innerlich schütteln. So, das war mal eine Stellungnahme von mir am frühen Morgen. (Geschrieben um 7 Uhr)

Der Mai präsentiert uns heute wieder eines seiner schönsten Gesichter. Strahlender Sonnenschein, keine Wolke weit und breit, ein buntes Vogeltreiben, die Bäume durch und durch in ein grünes Gewand gehüllt und der Flieder blüht in voller Pracht und lässt seine Duftwolken durch die Luft schweben.

Frau Amsel scheint Kurzarbeit bekommen zu haben oder als Amsel arbeitet man sowieso nur Teilzeit – zumindest während des Nestbaus. Gestern Nachmittag dachten wir schon, das sei es schon wieder gewesen. Ab den späten Mittagsstunden blieben die Amseln verschwunden. Doch seit heute Morgen wird wieder fleißig am Nest gebaut und auch Herr Amsel hält sich mit der Zerstörung zurück.

Als ich gestern vom Einkaufen zurückfahre, stolziert auf einer Wiese ein großer Storch. Ich denke an zwei Blogger hier, die fleißig Fotos von Vögeln posten. Nun hätte ich mal ein schönes Foto vom Storch präsentieren können, aber direkt hinter mir fahren zwei Autos und ich wäge ab, und treffe dann die Entscheidung, wie unpraktisch es doch wäre, für ein Foto einen Auffahrunfall in Kauf zu nehmen. So blicke ich noch einmal sehnsuchtsvoll auf den Storch, der unbeeindruckt von meinen Gedanken weiterstolziert und fahre weiter.

Gestern Abend entdecke ich dann noch auf dem Handy eine Nachricht meiner Freundin aus Nordfriesland. Ich gestehe, das Handy ist nicht mein bester Freund und wird von mir häufig sträflich vernachlässigt. Dann liegt es irgendwo in weiter Ferne, bekommt null Komma null Aufmerksamkeit geschenkt und so manche Nachricht und sogar Anrufe bleiben unbemerkt.

Sie schreibt, am Mittwoch, den 20. Mai geht’s wieder los. Sie öffnet ihr Café und am nächsten Tag, dem Donnerstag, ist ja Himmelfahrt. Also, schreibt sie, wenn du magst, kannst du kommen.

Nun könnte man davon ausgehen, dass ich vor lauter Freude in die Luft springe und schon mal damit anfange, meine Koffer zu packen und am liebsten sofort losstürmen will. Ist aber nicht so. Obwohl mir doch hier langsam die Decke auf den Kopf fällt und ich mich nach Arbeit und Abwechslung und überhaupt sehne. Ich bin ein Mensch, ich bin eine Frau, ja, ich bin seltsam.

Vielleicht braucht mein Geist einfach eine Gewöhnungsphase. Er läuft schließlich seit Wochen auf Sparflamme. Hat schon genug damit zu tun gehabt, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen: ständig zu Hause sein, kaum noch reale soziale Kontakte, keine spontanen Umarmungen mehr, in unkenntliche Gesichter blicken, die sich hinter Masken verstecken… Vielleicht streikt er jetzt. So von wegen: „Du glaubst wohl auch, du brauchst nur mit den Fingern zu schnippen und dann springe ich. Da hast du dich aber mächtig geirrt!“

Ich gebe meinem Geist mal ein paar Tage Zeit, sich daran zu gewöhnen. Der sonst wache Geist ist in den vergangenen Wochen träge und steif geworden. Er braucht nun eine kurze Anlaufzeit, um seine alte Geschmeidigkeit und Spontanität zurückzuerobern. Anders kann ich es mir gerade nicht erklären. Natürlich werde ich am zwanzigsten meine Koffer in mein Auto packen und nach Nordfriesland fahren.

Ja ihr Lieben, es ist soweit. Das Abenteuer kann beginnen.

Ach ja, gestern rief mein Mann auch mal beim Bauamt von Nordfriesland an. Die Baugenehmigung kommt in der kommenden Woche, sagt derjenige, der unseren Bauantrag bearbeitet. Nun flutscht es – beinahe, jedenfalls.

Herzliche Grüße, das Licht

©️ Kaya Licht

P.S.: Für jene, die doch die englischen Begriffe bevorzugen, hier ein paar „Übersetzungen“ – Deadline, hip sein, Statement. Es ist ja nicht so, dass ich das nicht wüsste…

21 Comments

    1. Oh liebe Maria, wie schön klingt das … 🙂 … das wünsche ich Dir natürlich auch!
      Und das mit sonnigen und herzlichen Grüßen aus Norddeutschland, das Licht
      P.S.: Also die Berge in Süddeutschland, mit ihren Seen, sind auch nicht zu verachten…

      Gefällt 2 Personen

        1. Das mit dem Tannenduft, das gefällt mir. Ach, und gern noch eine Tüte voll dieser Gerüche, wenn man in den Bergen wandert … wo der Enzian blüht und tausend andere Pflanzen voller Blüten stehen … diese Erinnerung trage ich schon viele, viele Jahre in mir – und sobald ich an sie denke, kommt es mir wie gestern vor. Ja, die Berge sind wunderschön.

          Gefällt 1 Person

          1. Der Schwarzwald bietet sehr viel. Im Moment bin ich gerade wieder in Badenweiler bei meinem Friseur. Der Ort befindet sich mitten im Schwarzwald-mitten im Tannenduft. Liebe sonnige Grüße Maria

            Gefällt 1 Person

          2. Ja, der Schwarzwald ist wirklich wunderschön. Die Natur ist so herrlich üppig und vielfältig. Da gibt es für jeden etwas und man kann ja auch mal hier und mal dahin fahren. Da haben wir es doch wirklich gut.
            Für Dich auch sonnige Grüße, das Licht

            Gefällt 1 Person

  1. Diese Anglizismen, die sich im Laufe der letzten Jahre in unsere deutsche Sprache eingeschlichen haben, und sich verbreiten wie Unkraut, finde ich auch zumeist schier unsäglich. Mein „Lieblings-Unwort“ ist „Location“ – da könnte ich jedesmal an die Decke gehen, wenn ich das höre oder lese. 😉 Dabei haben wir hier so viele verschiedene Ausdrücke, um einen Veranstaltungsort zu bezeichnen!
    Hab einen wunderbaren Tag!

    Gefällt 2 Personen

  2. „.. in unkenntliche Gesichter blicken, die sich hinter Masken verstecken ..“

    Manchmal zeigt die Maske das wahre Gesicht und das Leben ist nur Anpassung an die Ordnung der bürgerlichen Welt. Denk an die Frau, die im „wahren“ Leben an Bächen spaziert, über Wiesen tollt und doch Herzklopfen bekommt, wenn sie ihr Fetisch als begehrenswerte Vamp auslebt. Was ist Wahrheit, was ist Maske?

    Hermann Hesse hat im Steppenwolf betont, dass wir alle Anlagen in uns tragen, den Mörder genauso wie den Heiligen. Aber wir tragen alle möglichen Seiten in uns und es ist Zufall oder Einfluss von außen, welche Seite in unserem Leben sich den Vorrang erkämpft.

    Ich bin Fan der Gothic-Bewegung, kleide mich schwarz, höre gerne die schwarze Musik, lass mich tätowieren und piercen,
    färbe mir die braunen Haare schwarz und schminke mich auch mal wie mein Idol – Ozzy Osbourne. Bin ich also Maske oder authentisch, wenn mein Avatar so erscheint, wie ich mein Leben lebe. Natürlich lauf ich nicht immer so im Gesicht geschminkt rum, aber es war ein Sonderangebot bei meinem Friseur: Haare schneiden, fönen, schminken und ein Foto für 50 Euro.

    Wichtig sind nicht die Äußerlichkeiten, wichtig sind nicht Fotos, sondern wichtig ist mehr der innere Kern. Natürlich bin ich auch kein Chorknabe und natürlich übernimmt manchmal die schwarze Seite in mir die Kontrolle. Da bin ich oft hilflos ausgeliefert. Jeder trägt seinen Teufel in sich.

    Aber du meinst wohl mehr die Atemschutzmasken der Mitmenschen. Hätt ich auch gleich drauf kommen können, aber ich lass mein Bekenntnis mal stehen, kann ja nix schaden, seine Mitmenschen über sich aufzuklären.

    Lieben Gruß, Sven 🙂

    Liken

    1. Was für eine herrliche Brücke Du da gebaut hast – von der gemeinten Atemschutzmaske zu den Masken, die sich viele Menschen aufsetzen, um etwas zu verbergen – ob nun bewusst oder unbewusst.

      Als ich nun den Absatz mit der Frau lese, denke ich: ist nicht beides die Wahrheit? Muss eines automatisch die Maske sein? Auch hier wieder meine Frage: Existiert nur ein „Entweder-oder“? Darf es nicht auch ein „Sowohl-als-auch“ geben?

      Was spricht dagegen Fan der Gothic-Bewegung zu sein? Ich wollte mal in einer Theatergruppe mitspielen, weil ich es spannend finde, in andere Rollen zu schlüpfen. Vielleicht sogar in Rollen, die auszuleben ich mich nie trauen würde oder die für mich moralisch nie in Frage kämen. Wenn ich als Schauspielerin so eine Rolle übernehme, dann kann ich doch mal so richtig… Ja, ich weiß, jetzt kommt der Psychologe wieder um die Ecke… Das mit der Theatergruppe ging in die Brüche, bevor es richtig losging – ich wurde krank.

      Ich bin ja davon überzeugt, dass man immer authentisch ist – selbst wenn man sich mal schwarz schminkt oder als Clown herumläuft, weil man das vielleicht als Beruf ausübt – solange man es nicht aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen tut. Wenn es aus dem Herzen kommt und man – jetzt suche ich wieder nach den treffenden Worten. Das passiert mir manchmal. Da ist zwar schon das passende Gefühl, auch schon so etwas wie ein Bild, aber die Worte, die verstecken sich noch.
      Wenn man etwas tut, weil man es tun will und nicht um etwas vorzuspielen, weil man meint, damit könne man sich größer machen oder so, dann denke ich, ist es keine Maske. Das ist dann ein Teil von einem selbst.
      Wir sind doch nie nur: Dies oder Das. Wir bestehen aus mehr Anteilen. Aus mehreren Facetten. Ich bin doch auch in meinem Verhalten nicht immer gleich. Wenn ich mal so richtig wütend werde, dass willst Du bestimmt nicht erleben … 😉

      Ich bin übrigens auch tätowiert, ein Piercing habe ich auch und an jedem Ohr, ich glaube je vier oder fünf Löcher. Allerdings trage ich kaum noch Ohrringe und ein Piercing auch nicht mehr.

      Herzliche Grüße, das Licht

      Liken

  3. Wir leben nur einmal und sind mehrschichtige Menschen mit vielen Gesichtern und kein Gesicht schließt das andere aus. Und das ich die Botschaft von Hermann Hesse: Wenn man die inneren Gefühle trennt, kommt es zur Bewusstseinsspaltung, die dunkle Seite verselbständigt sich und der Steppenwolf ist geboren.

    Nichts anderes sagt aber auch die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr Hyde. Dr Jekyll verwandelt sich immer durch das Trinken eines giftgrünes Serum zu Dr. Hyde. Was symbolisiert das grüne Getränk anders, als Absinth, der damals gerne getrunken wurde und einen hohen Anteil an Alkohohl und Thujon enthielt? Absinth ist das höchstprozentigste Getränk und Thujon inzwischen als Nervengift verboten. Da nahm der liebe Dr. Jekyll sein Stöckchen und begab sich in die Unterwelt und wurde zum Tier, ließ seinen Trieben freien lauf, besuchte Kaschemmen und Puffs .. scheiß auf die Verlobte aus dem Professorenhaushalt.

    Unsere Seele besteht aus hellen und dunklen Anteilen, man sollte sie nicht trennen, sollte sich immer bewusst sein, dass Licht und Dunkelheit eine Einheit bilden wie Tag und Nacht oder Nord und Süd.

    LG Sven 😉

    Liken

    1. … und dabei haben wir in unserer deutschen Sprache so viele melodische Worte. Es klingt wie Musik. Nun, wir müssen es doch nicht mitmachen … 😉
      Für Dich einen Sonntag voller herrlicher „Töne“ …

      Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Sovely, ich bin ganz fein berührt und auch sprachlos. Das freut mich natürlich sehr und ich danke Dir.
      Natürlich nehme ich die Herausforderung an, bin gerade dabei herauszufinden, was ich jetzt wie machen „muss“.
      Dir einen zauberhaften Sonntag.
      Herzliche Grüße, Kaya das Licht

      Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu Werner Philipps Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s