Inspirationen zum „Steppenwolf“ von Hermann Hesse

(Ursprungsfassung: im Sommer 2009, jetzt überarbeitet)

Manchmal, da gibt es jene Augenblicke im Leben, da beschäftigt man sich mit einem bestimmten Thema und findet dann im Außen Dinge, die einem Klärung bringen.

Es dreht sich um unsere inneren Anteile. Nicht so detailliert, nein, einfach die Licht- und die Schattenseite(n). Auf der einen Seite der Tag, auf der anderen Seite die Nacht.

Tagsüber sind manche Frauen im Haushalt beschäftigt, sind Mütter, Angestellte und Geschäftsfrauen und nachts schlüpfen sie ins kurze Schwarze, zeigen Haut, tragen roten Lippenstift und die Haare werden wild und ungezähmt – klack, klack machen die Absätze der hochhackigen Schuhe auf dem Asphalt. (*)

Im Steppenwolf ist der Hauptdarsteller mal Mensch, mal Wolf und während der eine Anteil lebt, schimpft der andere und umgekehrt.

Wie kommt jemand, wie Hermann Hesse, dazu, so einen Text zu schreiben? Was hat das womöglich mit dem Menschsein zu tun? Schlummert womöglich in jedem von uns so ein Wolf? Vielleicht bei jedem auf eine andere Art und Weise?

Ich wähle hier eine Frau. Die eine Seite dieser Frau, die gerne an einem stillen See spazieren geht und die andere Seite, die den Tanz hoch oben auf dem Rand eines Vulkans auslebt.
Während die eine im leichten Sommerkleid mit wehenden Haaren, Enten füttert, Gänseblümchen pflückt und auf einer Parkbank das Gesicht der Sonne entgegen streckt, steht der andere Teil dort oben, wild, halbnackt, mit Schweißperlen auf der Haut und mit dem Feuer und den Elementen spielend.

Während der Anteil, der am stillen See spazieren geht, das Essen zubereitet, die Wohnung säubert, die Blumen gießt, zum Kaffeetrinken geht, fröhlich lacht und ein Buch liest, schreit der Teil oben auf dem Vulkan herzzerreißend dem Sturm entgegen, tanzt wild durch einen Regenguss, bis die Kleidung klitschnass auf der Haut klebt, singt und lacht laut und liebt Abenteuer und die Grenzerfahrungen.

So las ich im Steppenwolf und erinnerte mich an jene Frau. Der Steppenwolf, der bürgerliche Alltäglichkeiten verabscheut, so wie diese Frau sich manchmal nicht wiederfindet, wenn sie nicht jene Grenzerfahrungen machen kann

Grenzerfahrungen … ein Vibrieren im Körper … ein Kribbeln auf der Haut … innere Unruhe … ein Sog nach Lebendigkeit … mit allen Sinnen … den Körper spüren … Schweiß … im Dreck wühlen … körperlich verzehren … schwere Arbeit … Etwas schaffen … Leidenschaft … bis zur Ekstase steigernd … Hände, die auf Wanderschaft gehen … lachen, weinen, schreien, toben, tanzen, singen, laufen, springen, jubilieren … die Gedanken ausschalten … sich treiben lassen … alle Sinne auf Hochspannung …

… Ausbrechen, für einen Augenblick, hinein in die dunkle Nacht … eine Hand ins Unbekannte tastend, der Schrei einer Eule, Knacken im Unterholz, warme Feuchtigkeit, abseits der Normalität, einfach tun, nicht denken, nicht überlegen, was ist gut und was ist schlecht …? … der Augenblick … Genuss, Freude, Lebendigkeit … kein Richter, kein Beklagter … die Elemente miteinander tanzen lassen, eine Achterbahnfahrt der Gefühle, eine Berg- und Talfahrt … in Lichtgeschwindigkeit … jede Faser des Körpers spüren … ein Urschrei … Mattigkeit … Satt sein …

Und danach? Danach geht sie die Hände waschen, trinkt ein Schluck Wasser oder Wein, ein kurzes Lächeln, schlüpft zurück in den Alltag  – wie ein hinunter Steigen von dem Vulkan – hinein ins leichte Sommerkleid, um dann lächelnd am stillen See spazieren zu gehen, wo sie freundlich dem Tag die Hand reicht.

Herzliche Grüße, das Licht

©️ Kaya Licht

(*) Heute mal wieder ein P.S., weil es natürlich auch aus der Sicht eines Mannes dargestellt werden könnte, der vielleicht abends Gel in seine Haare packt, den Dreitagebart zur Schau trägt, ein halbgeöffnetes Hemd, enge Jeans … wer weiß das schon so genau. Doch hätte ich beide hier berücksichtigt, wäre der Text einfach zu lang geworden und das Wesentlich wäre verloren gegangen. Ich bitte das, zu entschuldigen.

Ebenso, dass die Darstellung vielleicht ein wenig klischeehaft ausgefallen ist, doch für diese Inspiration war das einfach mal notwendig – und da ich selbst eine Frau bin, habe ich es mir einfach mal erlaubt. Es war mir einfach wichtig, zwei Seiten darzustellen.

7 Comments

  1. Morgaine le Faye, Zauberin, Eroberin, Herrscherin über die dunklen Mächte, erotisch und bezaubernd, eine Göttin, die Ehrfurcht verdient, eine Hexe, die verhext, eine Fee, die Glück schenkt mit ihrem Zauberstab, ein Vampyr, von dem Mann gebissen sein möchte .. Ein Versprechen, eine dunkle Ahnung, ein alles oder nichts .. Ein Luder in Nylons, begehrendwert und doch selbstbestimmt, eine Frau mit Format, die alle Regeln sprengt, um sich zu leben .. Ich ahne etwas. Kannst du mir verzeihen?

    Wundervoll nur einfach. Ich kann dich nur bestärken, LG PP ❤

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  2. Morgaine ist in der Arthus-Sage die Halbschwester von König Arthus. “ Die Nebel von Avalon“ erzählen die Geschichte aus der Sicht einer Feministin: Morgaine landet zuletzt in einem Kloster auf einer Insel in den Nebeln. ENomine haben mal ein Lied über Morgaine gemacht: Darauf beruht meine Intention:

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  3. Ein sehr interessanter Bericht 🙂

    Ich glaube, in jeder Frau steckt eine kleine Rebellin, die den Drang hat, dem Alltagstrott zu entfliehen.
    Nun, ich kann das gut nachvollziehen wie du ja auch 🙂
    Ich danke dir für diese Anregung 🙂 🙂

    Ganz ganz liebe Grüße

    Lisetta

    Gefällt 1 Person

    1. Gerne doch, liebe Lisetta. Ich finde es ja auch gut, dieser Rebellin ab und zu mal die Oberhand zu überlassen. Es hat doch auch ein bisschen mit dem sich Bewusst-sein zu tun.

      Dir ganz herzliche Grüße, das Licht

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