Hundertfacher Rollentausch oder einfach das „ICH BIN“

Wer bin ich eigentlich? Wer bist du? Bin ich immer ein und dieselbe Person? Wenn nicht, wann bin ich denn wer? Bin ich in meinen Handlungen immer weiblich oder reagiere ich auch mal männlich?

Blicke ich in den Spiegel, sehe ich eine Frau, nicht mehr ganz taufrisch, ein wenig in die Jahre gekommen, aber noch ganz passabel. Die Frau, die ich im Spiegel betrachte, ist relativ groß, schlank, hat grüne Augen und ein Mischmasch von blonden Haaren. Im Gesicht erkenne ich Flecken, von denen ich nicht mit Sicherheit sagen könnte, ob es sich dabei um Alters- oder Leberflecke handelt. Einige könnten auch Sommersprossen sein.

Mir ist ja klar, dass die Frau da im Spiegel meine Person wiederspiegelt. Also bin ich das, die ich da sehe. Doch ist das alles, was ich bin oder steckt da noch mehr hinter?

Zweimal war ich bei einer Rückführung. Da wird man in einen tranceähnlichen Zustand versetzt und ist dann praktisch an zwei Orten gleichzeitig. Einmal in dem Geschehen, das einem in der Trance offenbart wird und immer noch liegend auf so einer Pritsche. Man kann die Stimme des Hypnotiseurs hören und auch darauf reagieren.

Einmal war ich ein Mann. Ich blickte auf meine Hände und wunderte mich: „Da sind ja Haare drauf!“ Ein anderes Mal war ich eine junge Frau, die sich strangulierte. Die Frau hing da also am Strick und bekam keine Luft mehr während ich auf der Liege an meinen Hals griff, verzweifelt versuchte einen nicht vorhandenen Strick zu lösen und schrie: „Ich bekomme keine Luft mehr!“ Sofort holte mich der Hypnotiseur zurück. Auf der Liege war da aber gar kein Strick, nur das ich ihn tatsächlich spüren konnte und meinte, zugeschnürt zu sein.

Die Lebensgeschichten, die ich während der Rückführung in einem Schnelldurchlauf erlebte, blieben mir auch nach der Hypnose im Gedächtnis erhalten. Ich konnte mich an alle Details sehr lebhaft erinnern und wusste ganz sicher, das hatte etwas mit mir zu tun.

Dann war ich bei einem Medium, wo ich den Sinn meines Lebens erfuhr sowie die Namen meiner Seele und meines Schutzengels. Es ist ganz praktisch den zweitgenannten zu wissen, denn so kann ich mich persönlich bei ihm bedanken, denn er hat mit mir ganz schön viel zu tun.

Mit Hilfe einer Schamanin deckte ich sehr viel über die Gründe meiner inneren Schmerzen und Trauer auf – und auch Stärken, Schwächen und welche Tugend nicht so meine ist. Mir wurde klar, wieso ich viele Erfahrungen ständig wiederholte und immer denselben Schlag Mensch in mein Leben zog. Nun, da gab es noch mehr klärende Aspekte, die jetzt hier jedoch nicht so wichtig sind.

Ich erkannte auf jeden Fall mehr, wer ich unter einer Schicht Müll und Dreck wirklich sein könnte.

Dann kann ich während einer Mediation an fremde Orte reisen. Das fühlt sich dann total real für mich an. Was aber könnte das mit mir und meinem „Ich bin“ zu tun?

So kann wohl jeder auf eine Menge Dinge in seinem Leben blicken, die wie Puzzleteile zusammen ein Bild ergeben könnten. Ein Bild über das „Ich bin“?

Bei mir wären es bis hierher mein Spiegelbild und zwei Personen, die ich angeblich in einem früheren Leben gewesen sein soll. Dazu noch ein paar Details durch ein Medium und eine Schamanin und die Erfahrungen durch Meditationen.

Weiß ich jetzt, wer ich bin? Ist das, was und wer ich bin eigentlich festbestimmt, wie in Stein gemeißelt?

Da gibt es dann ja noch die Eigen- und die Fremdwahrnehmung. Die Eigenwahrnehmung mag ja noch irgendwie eindeutig sein, doch was, wenn ich jemand frage, der nicht gut auf mich zu sprechen ist: „Wer bin ich?“ oder jemanden, der mich schätzt und sehr mag – wäre das Bild, dass sie über mich schüfen, wohl ähnlich oder doch sehr unterschiedlich?

Vermutlich unterschiedlich. Der eine würde mehr die schlechten Dinge nach außen kehren, der andere die guten. Oder wären es womöglich gar keine Aussagen über mich, die diese Personen treffen würden, sondern über sich selbst? Natürlich unbewusst. Wie viel von dem, was sie vermeintlich über mich erzählen, wäre wirklich meins und wie viel davon ihrs?

Nun werfe ich noch das Thema Persönlichkeitsanteile in die Schale. Solche Sachen wie: Träumer, Denker, Krieger, Redner, Künstler, Fantast, Kritiker, Idealist, Realist, Friedensstifter, Kriegsführer und so einige mehr.

Davon sind wir doch irgendwie alle – mehr oder weniger – geprägt und dazu paaren sich dann noch die Erfahrungen aus unserem Leben und welche Anteile gefördert und welche geschwächt wurden.

Bei einem Coach (war ein Bekannter, er sagte es nicht als Coach, sondern eben als Bekannter) fand ich dann noch den Namen meines inneren Kriegers heraus. Das war so ein Mann, der gerade diesen Anteil ziemlich stark favorisierte und meinte, ich sei eine Kriegerin. Dabei ließ er allerdings die anderen Anteile außer Acht.

Nun haben wir ja schon ganz schön viele Betrachtungsmöglichkeiten über ein „Ich bin“ zusammengetragen. Allerdings hätte ich da noch etwas hinzuzufügen. Das mit den Rollen, die wir so tagtäglich zu leben und zu spielen haben und die Wandlungsfähigkeiten, die wir dazu benötigen.

So sind da doch ziemlich viele Rollen, die wir so im Laufe des Lebens einnehmen. Viele davon sogar zeitgleich und oft müssen wir von einer zur anderen Rolle springen und das sogar mehrmals am Tag.

So sind wir Kind (Sohn/Tochter, Kindergartenkind, Schulkind), Ehepartner (Ehemann/Ehefrau), Lebensgefährte, Getrennte, Verheiratete, Geschiedene, Eltern (Vater/Mutter), Enkel, Großeltern (Oma/Opa), Schüler, Student, Auszubildende, Chef, Angestellte, Reisende, Sportler, Wanderer, Schwimmer, Reiter, Schriftsteller, Künstler, Hopser, Hausmeister, Sekretär, Kindergärtnerin, Lehrer, Verkäufer, Kassierer, Arzt, Hotelier, Bäcker, Koch, Konditor, Gärtner, Förster, Fischer, Rentner, Privatier, Lottogewinner, Blogger, Journalist, Autor, Moderator, Manager, Hausfrau, Geldzähler, Gewinner, Verlierer, Pflanzenliebhaber, Sammler, Finder, Liebhaber, Süchtiger und was es da sonst noch so gibt.

Als Schauspieler hat man ja eine gute Möglichkeit sich in anderen Rollen auszuprobieren. Oder wenn man eine Freundin wie ich hat, die sich mal für eine Weile als Fotografin verdiente. Sie liebte es, ihre „Objekte“ in unterschiedliche Rollen schlüpfen zu lassen. So war ich mal die „Naturfrau“, ein Mann, Frauen aus anderen Epochen, eine Nonne und auch eine Hure. Dafür hatte meine Freundin einen riesigen Fundus an Kostümen und Accessoires parat. Zusätzlich einen Haufen Schminkutensilien, Perücken, künstliche Bärte und so einiges mehr.

Zunächst wählten wir eine Rolle aus. Dann zog ich mich entsprechend um, schminkte mich, machte mich zurecht und fühlte mich in diese Rolle rein. Das alles dauert eine Weile, bis es dann zum eigentlichen Fotografieren kommen konnte.

Kann man über einen einzelnen Menschen überhaupt sagen, wer oder was diese Person wirklich ist?

Man sagt ja, man könne anhand ihres Kaufverhaltens, ihrem Verlauf im Internet, ihren Vorlieben – und was auch sonst noch – sagen, was für ein Typ Mensch diese Person ist. Ist das wirklich so oder ist es nur ein System, an dem sich die Menschen entlanghangeln, um ein gewisses Sicherheitsgefühl zu bekommen?

Ist der Mensch nicht sehr viel komplexer?

Man sagt ja, wer einmal betrügt, der betrügt immer wieder. Wer einmal stiehlt, stiehlt immer wieder. Wer einmal zuschlägt, schlägt immer wieder zu.

Ist das so? Kann ein Mensch sich wirklich nicht verändern und wenn doch, wie viel kann er verändern? Wenn er sich nicht verändern würde, wieso lässt man Kriminelle dann irgendwann wieder frei herumlaufen?

Der Kern in einem Menschen, der bleibt doch immer gleich. Das ist der Rohdiamant, den wir in uns tragen. Vollkommen unverdorben, nicht beeinflusst, ganz rein und klar. Ohne Manipulation, vermittelte Werte, frei von Liebesentzug, Drohungen, Beschimpfungen, Schlägen, Richtungslenkungen. Unser Kern ist unverdorben, frei, neugierig, staunend, wundernd, ein Genie, voller Forscherdrang und mit dem starken Bedürfnis ausgestattet, sich selbst auszuprobieren und immer weiter auszudehnen.

Nun stellt euch mal vor, wie das Leben von so einem Menschen sich vom Säugling bis zum Greis tatsächlich entwickelt. Wann er wo und wie „geformt“ wird, als würde man nach einer festen Backform greifen und den Menschen so lange hineinpressen, bis es passt. Die ganzen Begrenzungen, Vorgaben, Befehle, das Müssen, die Lenkungen und was anderen Menschen noch so einfällt, damit jemand anderes sich so verhält und so handelt, wie er / man es gerne hätte.

Der Rohdiamant, der immer noch den Kern ausmacht, wird mit Müll und Dreck zugeschüttet. Schicht für Schicht. Immer mehr rauf damit!

Es wachsen Diebe, Schläger, Faulenzer, Lügner, Komplizen, Narzissten, Halunken, Konforme, Mitläufer und andere Spezies heran. Natürlich gibt es auch immer die Wachen, die Klaren, die Forscher, die was-weiß-ich.

Zum Schluss noch die Sache mit den Eigenschaften, dem Charakter und dergleichen. So können wir ja albern, aktiv, achtsam, aufmerksam, bemüht, brav, bewusst, biegsam, charmant, dickköpfig, ehrlich, emsig, faul, flink, gutmütig, großzügig, hilfsbereit, heiter, ideologisch, intelligent, jovial, jähzornig, kreativ, klug, leichtsinnig, lustig, launisch,  manipulativ, mitreißend, mutig, neugierig, nachtragend, naiv, ordentlich, offen, optimistisch, pragmatisch, pedantisch, querulantisch, quirlig, rachesüchtig, radikal, rabiat, rasant, reuig, sittsam, schlagfertig, schlau, tapfer, tatkräftig, taktlos, treu, unterhaltsam, übergriffig, unstet, vernünftig, verständnisvoll, verantwortungsbewusst, -voll und -los, weise, warmherzig, weitsichtig, wohlgesonnen, zaudernd, zaghaft, zäh, zartbesaitet … sein.

Und was ist mit seinen Fähigkeiten? Was mit dem, was er gelernt hat? Was mit seiner Intelligenz?

Nun packen wir mal von allem und noch ein bisschen mehr zusammen – bin ich das dann oder Du? Können wir einen Menschen wirklich so klar definieren, bis wir genau sagen können, wer und wie jemand ist? Legen wir ihn dann nicht zu sehr fest und berauben ihm seiner Entwicklungsmöglichkeiten? Und verhält sich ein Mensch nicht auch bei jedem ein wenig anders? Kommt es nicht auch darauf an, inwieweit das Gegenüber mit einem selbst in Interaktion tritt?

Ich bin mir da nicht so sicher. Sicher bin ich, dass es noch viel mehr Aspekte gibt, die zu berücksichtigen wären, um einen Menschen zu beurteilen und sein „Ich bin“ festzulegen.

Die Eigenschaften, die Wünsche und Sehnsüchte, das Verlangen und der unverarbeitete Schmerz, das Hinzugelernte alles spielt doch irgendwie auch noch eine Rolle, um das „Ich bin“ darstellen zu können, oder?

Umso länger ich mich mit dem Thema beschäftige, umso mehr fällt mir dazu ein. Deshalb höre ich an dieser Stelle einfach auf.

Dieser Text beruft sich natürlich nicht auf Vollständigkeit und auch nicht darauf, dass alles stimmt, was geschrieben wurde. Es handelt sich lediglich um zusammengetragene Gedanken und Einfälle zu diesem gerade beschriebenen Thema.

Herzliche Grüße, das Licht

©️ Kaya Licht

5 Comments

    1. Hm, eine spannende Frage, die ich gern beantworten will. Doch ganz ehrlich, spontan bekomme ich das gerade nicht hin. Es erscheint mir eine längere Antwort zu werden. Doch ich möchte Dich auch nicht so lange in der Luft hängen lassen, weshalb ich diese Antwort schon mal vorab abschicke. Das andere folgt dann später.
      Herzliche Grüße, das Licht

      Gefällt 1 Person

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