Ruhe und Frieden – Die Insel Pellworm

Draußen scheint die Sonne, als sei nichts geschehen. Die Natur kehrt sich ein Dreck darum, was der Menschheit Sorgen bereitet. Die Natur explodiert und trägt ihr bestes Kleid zur Schau. Sie kann es sich leisten.

Gestern habe ich die Entscheidung getroffen, das mit dem Sorgenmachen sein zu lassen. Nachdem ich die Zweifel weggeschickt und mir klargemacht habe, dass die Politiker auch nur aus ihrer ständigen Unsicherheit heraus irgendwelche, sich ständig ändernden Entscheidungen treffen, pfeif ich drauf. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein spricht heute aus dem Radio, ist eingeladen von einem Sender und ich kann es nicht mehr hören. Es klingt ja irgendwie passabel und nett, doch die Aussage hinter der Aussage hinter dem gesagten Satz – was bleibt da am Ende übrig? Für mich klingt es wie ganz viel Unsicherheit und Unwissen und wenig Klarheit und das Bedürfnis, etwas sagen zu müssen. Doch für mich fühlt es sich irgendwie falsch an. Ist es nicht wie eine Gehirnwäsche? Mein Gehirn lässt sich darauf in letzter Konsequenz nicht ein. Schweigen ist Gold, reden ist Silber, heißt es doch. So schalte ich das Radio jetzt mal ab und konzentriere mich auf das Wesentliche.

Wir sprechen über unsere nächsten Ausflüge. Ein Wochenende lang. Wir schwelgen in Erinnerungen und überlegen, wo wir noch überall hinwollen. In diesem Zusammenhang denke ich heute morgen an Pellworm.

Eine Insel mitten im Wattenmeer, zwischen der Küste und verschiedenen Halligen. Von dem Ort Nordstrand erreicht man Pellworm mit einer Fähre, vorbei an Seehundbänken.

In Nordstrand gibt es auch, für die Wartenden, einen Imbisswagen mit Fischbrötchen. Man könnte meinen, die Nordseekrabben wären dort frisch. Sind sie jedoch nicht. Die Krabben wurden in Marokko gepult. Wir stehen also direkt an der Nordseeküste und können nur alte, konservierte Nordseekrabben bekommen. Wir verzichten drauf und hoffen auf einen Kutter. Den finden wir aber nicht in Nordstrand.

Pellworm ist keine Insel für Lebenshungrige und Menschen, die es bunt und laut mögen. Das Freizeitangebot ist beschränkt, genauso wie die Öffnungszeitgen der Geschäfte. Sowieso ist das mit den Geschäften eher mäßig. Eine Flaniermeile existiert überhaupt nicht. Es gibt, soweit ich mich erinnere, auf der ganzen Insel, zwei Supermärkte, von dem einer sowieso schließen wollte. Dafür gibt es einen Imbiss, der über hundert verschiedene Whiskysorten anbietet. Das ist doch mal was. Da sitzt man dann an einer einfachen Bank und trinkt zur Currywurst einen Whisky. Wir wählten allerdings einen Pharisäer, zu dem uns der Fotograf Herr Detlef Brumm einlud.

Pellworm erinnert irgendwie an die Bücher von Astrid Lindgren. Ein Leben, wie aus einer vergangenen Welt. Friedlich. Ruhig. Behaglich. Es ist, als würde diese hektische, fordernde, wenig menschliche Welt, die sonst außerhalb dieser Insel zu finden ist, hier noch nicht angekommen sein und man hofft inständig, dass das auch so bleibt. Nur drei Windkrafträder erinnern vielleicht ein bisschen daran, dass es auch hier Modernes gibt.

Auf der Insel nutzen die meisten das Fahrrad, obwohl auch Autofahren erlaubt ist und durchaus auch genutzt wird. Es gibt keinen wirklichen Strand. Es gibt Badeplätze, die eingezäunt sind, weil sonst die Schafe, die sonst auf den Deichen herumlaufen, ihre Hinterlassenschaften auch in den Bereichen liegenlassen würden. Die Badeplätze sind Rasenflächen und es stehen nur wenige Strandkörbe zur Verfügung. Das liegt einfach daran, dass es in der Regel auch nur wenige Gäste auf der Insel gibt, auch in der Hauptsaison.

Wer nach Pellworm fährt, muss Ruhe und Langeweile ertragen können. Langeweile ist nichts Negatives, bitteschön.

Natürlich gibt es auch Freizeitangebote. Der Postbote Knut Knudsen bringt die Post zur Hallig Süderoog. Dabei kann man ihn begleiten. Der Weg führt bei Ebbe durchs Watt. „Wer mal pinkeln muss, der sollte keine Hemmung haben und sich einfach hinsetzen“, hat er uns vor der Führung erklärt. Ich habe während der zweistündigen Wanderung niemanden entdeckt, der sich hingesetzt hat. Ich habe es mir auch verkniffen. Wer sich auf eine Barfußstrecke freut, um alte Kindheitserinnerungen wach zu küssen sollte das noch einmal genau überdenken. Auf der Strecke gibt es jede Menge Muscheln und die schneiden sich nicht selten in die Fußsohlen, egal wie viel Hornhaut sich da auch befindet. Ich würde beim nächsten Mal diese „Wattwanderschuhe“ bevorzugen.

Auch sonst hat Pellworm einiges zu bieten. In dem Schmuckatelier „Sonnenmond“ kann man seine Ringe selbst gravieren. Da gibt es dann so kleine Stempel, mit denen man zum Beispiel auch einen Leuchtturm eingravieren kann. Im Rungholtmuseum findet man die Funde, die Hellmut Bahnsen über Jahre höchstpersönlich im Watt ausgegraben hat. Er erzählt, woher er die Fundorte so genau kennt und dass das Land schon versucht hat, ihm seine Funde streitig zu machen und er einige auch abgeben musste. Doch er wusste sich zu wehren, erzählt er uns mit einem Zwinkern in den Augen. Es gibt auch noch andere Museen. In einem kann man sich in Schaukästen die Tierarten des Wattenmeeres ansehen. Auch jene, die schon ausgestorben sind und jene, die sich dort aus fremden Ländern angesiedelt haben. Natürlich gibt es auch Cafés und Restaurants, die gemütliche Sitzecken, manchmal auch Strandkörbe zum Verweilen anbieten. Es gibt Sitzgelegenheiten in hübsch angelegten Gärten, die man von den Wegen aus gar nicht vermuten würde. Doch im Großen und Ganzen alles in überschaubarer Menge. Mit Sicherheit findet man noch weitere Angebote auf der Insel, ganz nach Belieben und Bedarf. Das größte Angebot gilt den Radfahrern. Die kommen auf der Insel auf ihre Kosten, denn die Insel ist platt wie eine Flunder und nur den acht Meter hohen Deichen verdankt sie noch ihre heutige Existenz. Pellworm liegt normalerweise unter dem Meeresspiegel und von einer erneuten Erhöhung des Deiches wurde schon bei unserem Besuch der Insel 2018 gesprochen. Die direkt hinter dem Deich befindlichen Häuser würden dem zum Opfer fallen. Wir entdeckten ein wunderschönes, weiß-verputzes Haus mit Strohdach, das auch verschwinden würde.

Wir finden, Pellworm ist eine Reise wert, für jene, die es gern behaglich und ruhig mögen und die dem Trubel einfach mal den Rücken zukehren wollen. Pellworm ist für mich eine Welt wie aus alten Zeiten. Fernab von Straßenlärm und Stress und Überangebot. Mir gefällt es gut.

Über Pellworm werde ich ganz sicher bald weitere Beiträge schreiben und Fotos posten, denn es gibt doch noch eine Menge mehr zu erzählen und zu zeigen. Bis dahin

Herzlichst, das Licht

P.S.: Pellworm? Da fallen mir noch der Leuchtturm ein und wirklich frische Nordseekrabben direkt vom Kutter und leckerer Kuchen beim Bäcker…

©️ Kaya Licht

14 Comments

  1. Es werden zur Zeit viele Binsenwahrheiten von Politikern verkauft, die jeder andere auch sagen könnte, wenn sie nicht zu banal klängen .. Das mit den Masken, Schlupftüchern oder Schals ist auch nur ein Placebo. Selbst Einmalhandschuhe sind durchgängig für Viren.

    Als Prinz Prospero damals der Pest entgehen wollte, verschanzte er sich vor der Umwelt in einem alten Kloster mit einigen ausgewählten Menschen. Es hat ihm nicht geholfen. Der rote Tod hat ihn gefunden.

    Moral: Du entgehst deinem Schicksal nicht. Wenn der Tod dich holen will, holt er dich ..

    LG Sven

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  2. Hui, du hast ja grundlegend renoviert hier auf deinem Blog – es sieht so absolut anders aus. – Ich wüsste gar nicht genau, welches Theme mir besser gefallen würde – sie sind beide schön.
    Blogfreunde von mir, die schon fast an der Küste wohnen, haben Pellworm zu ihrer absoluten Lieblingsinsel erklärt und fahren doch auch einfach nur mal so zum Wochenende hin.
    Ich habe mal nach dem Fotografen gegoogelt – die drei Bewertungen, die er bekommen hat, waren durchweg negativ, zum Teil sogar richtig. – Aber das soll dich ja nicht interessieren – ich dachte nur, wie schnell man heutzutage jemand im Netz finden kann – manchmal mehr als unheimlich.
    Liebe Grüße von Clara

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    1. Das stimmt wohl, dass mit dem „im Netz finden“, meine ich. Unsere Erfahrungen mit dem Fotografen waren durchweg positiv und das nicht nur, weil er uns zum Pharisäer eingeladen hat. Wir haben traumhaft schöne Fotos, die er von uns gemacht hat.

      Das man jemanden schnell im Netz finden kann, haben wir ja sowieso schon festgestellt. Ich hatte auch mal gegoogelt…

      Dir auch liebe Grüße, das Licht

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    2. Ich hab ganz vergessen – ja, ich habe dem Blog einen neuen Anstrich verpasst und auch die Texte überarbeitet und einiges schlichtweg beseitigt. Manchmal brauche ich Veränderungen. Manchmal eher, manchmal dauert es länger … Noch schöne Sonnenstunden für Dich.

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  3. Ist das aber schön geschrieben.
    Ich habe mich direkt nach Pellworm transportiert gefühlt.

    Mein Traum war es schon immer, einen einsamen Ort an der Nordsee zu finden, idyllisch und pittoresk, um dort zu schreiben 🙂
    Das klingt hier so himmlisch, ich danke dir.

    Und du hast Recht: man muss die Sorgen auch mal loslassen können 🙂

    In diesem Sinne einen wundervollen Abend 🙂

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    1. Oh, das freut mich, dass es Dir so gut gefällt. Ach ja, Pellworm hatte mich wirklich verzaubert. Wir hatten aber auch richtig Glück mit dem Wetter. Ich glaube aber auch, wenn man sich an solchen Orten wohlfühlt und die richtige Unterkunft findet, dann kann es dort auch an Regentagen schön sein.

      Dir wünsche ich, dass Du Deinen Ort zum Schreiben findest.

      Dir auch einen wunderschönen Abend. 🙂

      Gefällt 2 Personen

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