Warten hat noch niemandem geschadet

Mit dem Warten scheint man gerade ziemlich verschwenderisch umzugehen. Überall „muss“ man warten.

Einige warten auf den Bus, andere auf die Bahn. Ich warte manchmal auf das Ende der Nacht, wenn ich nicht schlafen kann. Die meisten von uns – direkt oder indirekt – warten wohl darauf, dass Corona sich langsam wieder aus unseren Leben, zumindest aber aus den Medien – verabschiedet.

Darüber will ich hier aber gar nicht schreiben.

Bei uns dreht es sich natürlich immer noch um die Baugenehmigung, allerdings – wenn auch sehr langsam – geschieht da etwas.

Am Sonnabend erhielten wir Post von dem Bauamt, welches uns die Genehmigung erteilen soll. Es fehlen ihnen für die Prüfung noch zwei Unterlagen. Ich habe das Ganze natürlich sofort an die Zimmerei, die unser Haus bauen wird, weitergeleitet und die kümmern sich jetzt darum.

Zumindest wird unser Bauantrag schon mal bearbeitet. Das ist doch schon mal was. (Ich will jetzt hier keine Kommentare lesen, die mir irgendwie wink-artig bekanntgeben, dass das noch gar nichts heißen muss und dass ich mich auf eine noch ziemlich lange Wartezeit einstellen sollte. Also, schweigt lieber still.)

Dann erhielten wir heute die Pläne im 1:50-Maßstab und die 1. Abschlagsrechnung.

Nun stellt sich natürlich die Frage, wieso wir schon eine Rechnung erhalten, wenn noch nicht einmal eine Baugenehmigung vorliegt, also noch gar nicht gebaut werden darf…

Verständlicher Einwand.

Die Zimmerei fängt parallel schon mal an, die Hölzer vorzubereiten und mit dem ersten Anstrich zu versehen. Dann geht es nachher schneller. Wir lassen sozusagen schon mal vorarbeiten.

Wenn die Baugenehmigung erstmal vorliegt, dann muss sowieso erst noch der Statiker ran. Den könnte man natürlich auch schon vorab beauftragen. Doch man sagte uns, wenn die Baubehörde noch irgendetwas einzuwenden hat, dann muss man im Zweifelsfall den Statiker ein zweites Mal konsultieren. Die Firma spricht aus Erfahrung.

Ich höre schon wieder Einwände. Was, wenn die schon vorgestrichenen Hölzer nicht gebraucht werden, weil die Baubehörde solche Einwände vorbringt, dass es dort bezüglich Veränderung geben müsste…? Keine Bange, die streichen nur Bretter und die ließen sich später auch anders zusammenbringen.

Warten erscheint mir auch gerade ziemlich inflationär benutzt zu werden.

Inflationär stammt vom lateinischen Wort inflare ab, was sich mit den Worten aufgeblasen und auch aufgeschwollen übersetzen lässt. Ich finde ja, das passt gerade ganz gut. Es bläst sich doch „vieles“ gerade mächtig auf. Man sollte mal eine Nadel reinpicken, dann kann die Luft mal wieder entweichen und das Ganze wirkt nicht mehr so monströs.

Heute las ich in dem Blog von Peter Wurm einen großartigen Satz:

„Realität ist eine Folge von Zustimmung.“

Wenn ich mich also über das Warten ärgere, weil ich es als Last, als nervig, als Müssen, als Zwang oder wie auch immer negativ empfinde, dann wird das Warten zu etwas Quälendem und zieht mich runter. Es schwächt mein Immunsystem, macht schlechte Laune und raubt mir Kraft und Energie.

Wenn ich dem Warten jedoch etwas Gutes abgewinne, vielleicht eine Chance darin wittere, dann schenkt es mir Kraft und Energie, hebt meine Laune und stärkt auch mein Immunsystem.

Ich brauche also Zeit, die ich wartend verbringe, einfach nur in eine von mir aktiv gestaltete Zeit umzuwandeln und schon ist es eine andere Zeit.

Verstanden? Logisch? Ich finde schon.

Herzlichst, das Licht

©️ Kaya Licht

17 Comments

  1. Überprüfen dass und wie sich die Zimmerei drum kümmert ist ganz wichtig. Bei und musste die Lage des Carports geändert werden. Der Plan wurde geändert und weggeschickt . Als wir nach zwei Wochen vom Bauamt nichts hörten, lag es an einer fehlenden Unterschrift im geänderten Plan. Da machte ich dann bei der Baufirma Terz und am gleichen Tag und per Taxi war der Plan dann mit Unterschrift beim Bauamt. eine Woche später war die Genehmigung da..

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  2. Das war ja eine Falle. Ich habe einen richtig langen Kommentar geschrieben. Die drei Kästchen unter dem Kommentarfeld waren unbeschriftet – ich habe noch gefragt, was sie bedeuten.
    Dann wollte ich den Kommentar abschicken und mir wurde gesagt: Ihr Kommentar konnte leider nicht veröffentlicht werden. Offenbar bin ich nicht mehr bei dir angemeldet. – Ärgert mich jetzt, weil der Kommentar weg ist.
    Jetzt habe ich mich angemeldet und alles ist wie immer.

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      1. Ich weiß noch, dass ich das Eingangsfoto gelobt hatte und dass so ein alter Baum das Warten nicht kennt – er ist schon so viele Jahre alt, dass für ihn Tage, Wochen, Monate wie im Fluge vergehen. Im Frühjahr freut er sich über seine sprießenden Blätter, im Sommer will er oft mehr zu trinken haben, vom Herbstwind werden seine Blätter in alle Ecken verweht und im Winter steht er kahl rum und wartet auf neue Blätter. – Den Rest weiß ich nicht mehr. – Gute Nacht

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  3. Nun, wir haben es ja gerade hinter uns. Wenn wir uns nicht gemeldet hätten, würden die im Bauamt vielleicht heute noch auf die Unterschrift auf dem berichtigten Bauantrag warten und hätten ihn solange nicht bearbeitet. Andererseits waren die auch nicht sauer oder so, weil wir uns nach dem Fortschritt der Bearbeitung erkundigten.

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    1. Nun ja, sind ja auch Menschen … wir haben den Zugang zu einer Onlineseite bekommen, wo wir den aktuellen Bearbeitungsstand sehen können. Darüber haben wir zumindest sehen, ob es immer noch hakt.
      Auf jeden Fall freue ich mich immer über Deine Unterstützung. So ein Haus baut man nicht so oft.
      Dir noch einen schönen Arbeit.

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      1. Vor allen Dingen, wenn der eine Beamte das toleriert hätte und der andere so eine Art „Dienst nach Vorschrift“ bevorzugte.. Sowieso unverständlich bei Einfamilienhäuser, dass da sowohl eine untere. als auch eine obere Behörde alles doppelt absegnen muss. Wenn ich da an in Frankfurt gebaute und um einige ungenehmigte Etagen mehr erstellte Hochhäuser denke, fällt mir da nicht mehr ein..☺️☺️

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        1. Was bei uns am Ende unglaublich war: Das Finanzamt hatte die Baupläne eines Anbaus aus den 70gern meiner Eltern mit unseren Rechnungen aus den 90ern in Zusammenhang gebracht. Unser Steuerberster hatte alles richtig eingereicht. Licht brachte schließlich ein vom Finanzamt beauftragter
          Bausachverständiger in die Angelegenheit 😱

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