Sonnenstrahlen auf meiner Haut

Es war ein schöner Sommertag gewesen. Die Betonsteinplatten auf den Wegen fühlten sich noch am Abend an den nackten Fußsohlen angenehm warm an und auch das alte Gemäuer vom Haus strahlte eine Wärme aus, wie ein Heizofen.

Wir saßen auf einer Bank und die anderen uns gegenüber. Ich war dreizehn und auf Amrum. Zwischen den Büschen huschten Eidechsen. Manchmal versuchten wir die einzufangen. Wenn die Eidechsen das bemerkten, ließen sie ihren Schwanz fallen und verschwanden unter einem großen Stein oder einer Wurzel – oder wo auch immer.

Die Sonne war schon untergegangen, zumindest konnten wir sie von unserem Platz aus nicht mehr sehen.

Wir saßen in geselliger Runde zusammen und lachten viel. Die Großmutter meiner Freundin hatte Aal für uns gebraten. Es roch köstlich und wir hatten von dem Tag alle einen großen Appetit. Den ganzen Tag durch die Gegend toben. Spielen. Schwimmen gehen. Sandburgen bauen. Wasser schleppen. Sich mit anderen Kindern verabreden. Ganz viel reden. Sonnenstrahlen auf der Haut. Lauer Wind, der durch die Haare rauscht.

Wir veranstalteten ein Wettessen. Den Aal in gleichgroße Stücke schneiden und los. Wer brauchte schon Messer und Gabel?

Dabei erzählten wir uns lustige Geschichten und die Großmutter ermahnte uns mit einem Zwinkern im Auge: „Man spricht nicht mit vollem Mund!“

Langsam wurde es dunkel. Es wurden Kerzen angezündet und irgendwo brannte ein Licht, auch eins im Küchenfenster. Der Mond schob sich ins Bild und tauchte alles in sein fahles Licht ein. Sterne funkelten. Viele Sterne.

Der Aal war inzwischen in unseren Mägen verschwunden und wir schoben unsere runden, vollen Bäuche nach vorne: Wessen Bauch war nun der dickste Bauch?

Die Betonsteine kühlten ab, auch das Gemäuer hinter uns. Wir hörten die huschenden Eidechsen und die Grillen in den hohen Gräsern. Sonst ein feines Rauschen des Windes. Blätterrascheln. Irgendwo ein Knistern und ein Knacken. Dunkelheit. Ruhe, könnte ich jetzt schreiben oder Stille. Aber das würde nicht stimmen. Wir waren noch da. Wir redeten durcheinander. Wir lachten. Wir wurden müde.

Die Erwachsenen schickten uns ins Bett. „Waschen und Zähneputzen nicht vergessen!“, waren die abendlichen Ermahnungen.

Müde und glücklich lagen wir bald darauf in unseren Betten und schliefen schnell ein, während die Gardinen sanft im Wind wehten, der leicht durch das geöffnete Fenster blies.

Herzlichst, das Licht

©️ Kaya Licht

2 Comments

  1. Hallo, „Aal“ – da fällt mir gleich ein typischer DDR-Witz ein.
    A: Warum gibt es in der DDR keinen Aal zu kaufen? B: Den will keiner haben. Oder hast du schon jemand im Geschäft nach Aal fragen hören!“
    Ich glaube wirklich, Aal habe ich erst im Westen gegessen.
    Einen schönen Abend wünsche ich dir noch. Lieben Gruß

    Gefällt 1 Person

    1. Ich hoffe, der schmeckt Dir heute, so ein Aal. Obwohl. Obwohl ich schon sehr lange keinen mehr gegessen habe. Jahre bestimmt. Vielleicht sogar schon Jahrzehnte. Seltsam oder?

      Herzlichst, das Licht

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