Erinnerungen an meine Eigenarten

Kennt ihr die Serie „Monk“? Oder den Film mit Jack Nicolson (und Helen Hunt) – „Besser geht’s nicht?“

Monk ist ein ehemaliger Kripobeamter, der aus „psychischen“ Gründen offiziell nicht mehr arbeiten durfte, aber die Polizei trotzdem noch sehr erfolgreich unterstützt. Dabei hat er eine Assistentin, die ihm immer zur Seite steht und für ihn da ist.

Monk hat viele Ticks. Er tritt auf keine Fugen zwischen Gehwegplatten. Er mag kein Dreck, es darf nichts schief sein und vieles mehr. Und ja, Monk hat auch einen Psychiater, zu dem er regelmäßig geht – dessen Rolle in dieser Serie halt auch wichtig ist. (*)

Jack Nicolson, der in dem Film Marvin heißt, tritt auch auf keine Fugen, isst immer im selben Restaurant, wohin er immer sein Plastikbesteck mitnimmt und sich nur von einer Kellnerin (Helen Hunt) bedienen lässt. Für das Händewaschen benutzt er jedes Mal ein neues Stück Seife und er schließt seine Wohnungstür nach einem bestimmten Ritual zu – und auch so einiges mehr.

Nachdem ich die beiden gesehen hatte, konnte ich bestimmte Anteile in mir bei Namen nennen, ich nannte sie „Jack“.

So hieß es bei manchen Verhaltensweisen einfach nur noch: „Das ist mein Jack.“

Vielleicht kennt ihr diese Verhaltensweisen auch. Bei mir ist es zum Beispiel, wenn ich mit meinem Mann Hand in Hand gehe. Dann muss es Gleichschritt sein. Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, aber ich gehe eigentlich immer mit dem linken Fuß los, mein Mann mit dem rechten. Ich bin Linkshänder, er Rechtshänder…

So ist natürlich erstmal dieses Ungleichgewicht, wenn wir losgehen und ich mache diesen Hüpfer, damit es wieder passt. Mein Mann lächelt dann jedes Mal. Wir kennen uns und wir lieben unsere kleinen Ticks und Macken.

Mein Mann hat auch einen „Monk“. Er nennt ihn halt Monk und ich Jack. Ist vielleicht auch ganz praktisch, dann können wir die beiden auseinanderhalten.

Bei meinem Mann ist es die Symmetrie, die stimmen muss. Türen müssen immer ganz geschlossen sein. Bilder gerade hängen. Wir sagen immer, wir ergänzen uns. Manches ist mir wichtig und das bringe ich in Ordnung, um das andere kümmert sich mein Mann.

Früher wirkte mein Jack noch in einem anderen Bereich ziemlich stark, dass hat in den letzten Jahren ganz schön nachgelassen. Das fällt mir aber auch erst jetzt, wo ich darüberschreibe, auf.

Ich wohnte in einer Wohnung in einem Altbau mit sehr vielen Stufen und hohen Wänden im vierten Stock. Es gab dort natürlich keinen Fahrstuhl.

Meistens, wenn ich fast schon ganz unten angekommen war, fragte ich mich: „Hast du wirklich die Tür abgeschlossen? Hast du der Waschmaschine auch die Zuleitung abgedreht? Hast du den Herd ausgeschaltet? Sind die Fenster alle geschlossen?“

Wenn einer dieser Gedanken erstmal aufgetaucht war, dann ließ er mich nicht mehr los und ich lief die Stufen wieder nach oben, meist zwei bis drei auf einmal nehmend und überprüfte den Inhalt des Gedankens, nur um festzustellen, es war alles erledigt.

Vielleicht ist Jack auch aufgetaucht, weil es auch mal eine Zeit ohne ihn gab. Da glühte einmal die Herdplatte noch, als ich zurückkam. Ein anders Mal stand meine Fensterbank und der Fußboden darunter unter Wasser, weil der Regen durch das auf kippgestellte Fenster vom Regenguss überschwemmt war. Und ein anders Mal schäumte es aus der Waschmaschine und die ganze Küche sah aus wie ein großes Schaumbad. Nur Schaum, kein Wasser (zum Glück).

Ich glaube ja, wir alle tragen in uns einen Jack oder Monk oder auch mit anderen Namen benannten Anteil, durch den bestimmte „Ticks“ oder „Macken“ oder halt Eigenschaften, die uns zu Individuen, Persönlichkeiten und liebenswerten Geschöpfen mit Ecken und Kanten machen.

So kenne ich auch jemanden, bei dem muss immer alles wieder auf denselben Platz in derselben Position gestellt werden.

Sicher, wenn es ausartet, wenn es „krankhaft“ wird und zu sehr in das allgemeine Leben reinspielt, dann mag es behandlungsbedürftig sein. Doch so lange man darüber noch lachen kann und in der Lage ist, es auch einfach mal zu lassen – also schief zu gehen, mit dem Gedanken zu leben, die Tür könnte nicht verschlossen worden sein, und das Bild hängt schief, ohne dass man gleich aufspringen muss, um es geradezurücken, dann finde ich es einfach nur menschlich.

Da fällt mir noch etwas ein: Kennt ihr Loriot, wo er das schiefe Bild geraderückt und am Ende das gesamte Zimmer in eine einziges Chaos versetzt hat?

Hier mal die Links, in denen findet ihr auch noch mehr Details und Informationen. Ich habe mich da doch sehr an der Oberfläche gehalten, was für meinen Beitrag jedoch genug war. Wer mehr darüber wissen will, nur zu. Bei YouTube findet man sicherlich auch noch mehr.

Monk: https://de.wikipedia.org/wiki/Monk_(Fernsehserie)

Film mit Jack N.: https://de.wikipedia.org/wiki/Besser_geht%E2%80%99s_nicht

Loriot: https://de.wikipedia.org/wiki/Zimmerverw%C3%BCstung

Herzlichst,

das Licht

(*) Bitte nicht falschverstehen. Psychische, ernsthafte Erkrankungen sollten nicht als Tick oder Macken betrachtet werden! Diese beiden Typen – Monk oder auch Marvin, sind ganz liebevolle Geschöpfe, die man einfach in sein Herz schließen muss, wenn man sich die Serie oder den Film ansieht. Sie haben mich halt einfach an einige meiner Eigenarten erinnert und so entstand es, dass ich immer von „Meinem Jack“ sprach, wenn ich mich dabei ertappte …

(c) Kaya Licht

4 Comments

  1. Den Film mit J. Nicholson und Helen Hunt habe ich ausnahmsweise sogar 2x gesehen. Sie hatte ja diesen kranken Jungen. – Ich habe es vor längerer Zeit mal geschafft, meine Balkontür offen zu lassen, als das schlimmste Unwetter in Berlin runterkam. – Das Wasser auf dem Parkett stand bis zur Mitte des Zimmers – aber wir alle (Parkett und ich) haben es schadlos überstanden.
    Mit lieben Grüßen

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    1. Puh, Glück gehabt. Bei meiner Überschwemmung sind ein paar Sachen auf der Fensterbank – und die war ganz schön voll – dem Wasser zum Opfer gefallen. Seitdem stehen auf meinen Fensterbänken nur noch Sachen, denen Wasser nichts ausmachen würden… Liebe Grüße zurück.

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  2. Danke für Deinen schönen Bericht. Die Form, wie Du damit umgehst, finde ich faszinierend. Du glaubst nicht, wie oft mich Patienten nerven, die von mir eine Pille verlangen, „damit das endlich aufhört“. Und, grüß den Jack. Lg. R.

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