Immer wieder Weggabelungen

Es war mal wieder soweit. Gemütlich spazierte ich auf meinem ureigenen Weg entlang und plötzlich tauchte wieder so eine Weggabelung auf.

Unsicher blickte ich in alle Richtungen. Normalerweise hatte ich nie lange gefackelt. Gehen, Weggabelung, kurz innehalten und schon weiter, war mein eigentlicher Impuls.

Dieses Mal ging ich anders vor. Ich blieb einfach richtig lange stehen. Ging mal einige Schritte in die eine Richtung, dann wieder zurück und in eine andere. Zwischendurch ruhte ich mich aus und tat nichts. Dann blickte ich erneut in die unterschiedlichen Wege hinein. Einige ließen nur wenig erkennen, bei anderen konnte ich weit blicken. Doch alle hatten eines gemeinsam: sie waren mir unbekannt.

Also überlegte ich weiter und warf neue Blicke in die Möglichkeiten. Ich fühlte auch ein wenig herum. Betrachtete jenes, berührte das andere an und horchte hinein. Was konnte ich sehen? Welche Geräusche hören? Fand ich Antworten auf noch nicht gestellte Fragen? Würde mir der Weg die Geheimnisse, die er für mich bereithielt, preisgeben? Ich wartete und zögerte und überlegte.

Diese Unentschlossenheit ließ mich irgendwann mürbe werden und mein Körper sendete mir prompt die entsprechenden Signale, in dem er mich wissen ließ: „Ich lasse jetzt mal deine Hände zittern, während du ein Tablett mit gefüllten Kaffeetassen vor dir her balancierst.“ „Ich lasse jetzt mal deine Knie nachgeben, wenn du die Treppe runtergehst.“ „Ich sorge jetzt mal für schlaflose Nächte in deinem Nebel.“ „Ich finde, du kannst jetzt mal morgens mit Kopfschmerzen aufwachen.“ „Ich werde jetzt mal dafür sorgen, dass dir dein Nacken schmerzt.“…

Klar, mein Körper wollte mich zu einer Entscheidung drängen. „Mach was! schien er zu rufen. „Tue irgendwas, aber tu es!“ Und Seele und Geist haben ihn sicherlich geimpft so nach dem Motto: „Gib ihr mal einen Schubs!“

Als mir das alles unheimlich zu werden begann, denn die Knie gaben nach, während ich mit zittrigen Händen das Tablett balancierte und jemand in meinem Kopf den Hammer schwang, entschied ich mich für einen Weg und ging schnurstracks hinein, ohne länger darüber nachzudenken.

Ich ignorierte die Kumpanen Angst, Zweifel, alte Prägungen und Glaubenssätze, auch wenn sie mich während meines neuen Weges ständig begleiteten und jede Gelegenheit nutzten, um hinter dem nächsten Busch hervor zu springen und mir einreden wollten, dass es doch besser wäre, den gewohnten Weg weiterzugehen.

Ich hörte ihnen zu und ignorierte sie dann auch schon wieder, indem ich diesen neuen und unbekannten Weg fortsetzte.

Auf diesem Weg befanden sich die Möglichkeiten, meine Träume zu leben, ich kannte nur nicht das „Wie“, das „Wann“, nicht das „Wo“ und überhaupt. Ich ging einfach tapfer und mutig weiter und wusste, es war gut, dass ich das tat.

Herzlichst, das Licht

©️ Kaya Licht (2009)

5 Comments

  1. Hallo, manchmal im Leben habe ich mir gewünscht, eine wichtige Entscheidung auf Probe leben zu dürfen – und wenn sie nicht richtig ist, dann darf man sie ein halbes Jahr lang straflos umtauschen.
    Das geht leider nicht – und deswegen ist dein Weg richtig. Will eine Entscheidung gefällt werden, dann muss frau es tun – und dann einfach mit ihr leben. Und nur wenn sie sich nach langer langer Zeit doch als falsch herausstellt: neu entscheiden.
    Herzlichen Gruß von Clara

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    1. Guten Morgen liebe Clara,

      was für eine wundervolle Vorstellung.

      Ich treffe eine Entscheidung, probiere diese für eine Weile aus und bei nicht Gefallen gebe ich das Ganze einfach wieder zurück und wähle eine neue aus. Herrlich!

      Manchmal, in einigen Fällen, ist das ja sogar möglich und wir praktizieren es auch schon.
      Doch ich glaube – Du und ich – wir sprechen von anderen Fällen, in denen so eine Wahl nicht so einfach rückgängig zu machen ist.

      Wobei – Rückgängig machen und umtauschen sind ja womöglich unterschiedliche Dinge. Vielleicht wäre auch ungeschehen machen ganz praktisch.

      Dir einen fantastischen Tag. Scheint in Berlin auch die Sonne?

      Herzlichst, das Licht

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      1. Guten Mittag, ich Schlaftier schlafe von Tag zu Tag länger – aber das ist für mich die unbeschwerteste Zeit am Tag.
        Ja, wir haben schon seit Tagen eigentlich nur Sonne – und schon sprechen die Meteorologen davon, dass es schon wieder viel zu trocken ist in den Böden, in den Wäldern und und und. Und die Menschen verbrauchen jetzt durch das vermehrte Händewaschen bestimmt mehr Wasser.
        Einen schönen Tag wünsche ich dir

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  2. „Ich ignorierte die Kumpanen Angst, Zweifel, alte Prägungen und Glaubenssätze, auch wenn sie mich während meines neuen Weges ständig begleiteten und jede Gelegenheit nutzten, um hinter dem nächsten Busch hervor zu springen und mir einreden wollten, dass es doch besser wäre, den gewohnten Weg weiterzugehen.“

    Wenn du an eine Weggabelung kommst, kannst du den gewohnten Weg nicht weitergehen, weil sich zwei neue Optionen offenbaren. Oder es ist keine Weggabelung, sondern nur ein neuer Weg, der sich auftut. Ich denke, das meinst du. Ich etwa würde dann den neuen Weg wählen, weil ich sehen möchte, wo er hinführt. Neue Abenteuer, neue Aufgaben, neue Erfahrungen, auch neue Hindernisse machen das Leben interessant und lebenswert, wenns freiwillig uns spielerisch geschieht.

    Wir sollten nach Corona nicht wieder zurück fallen in den Wahn der Selbstoptimierung, zum permanenten Zwang, die ökonomischen und administrativen Abläufe zu perfektionieren, sondern zu einer Normalität und Resonanz der gegenseitigen Sorge.

    LG Sven

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