Da stecken Kanonenkugeln in den Wänden!

Als wir im vergangenen Jahr in Nordfriesland waren und in unserem Wohnwagen auf dem Hof bei meiner Freundin schliefen, befanden wir uns praktisch gleich neben der Holländerstadt Friedrichstadt. Darüber ein anderes Mal mehr.

Ich war im letzten Jahr das erste Mal so wirklich in Friedrichstadt. Bisher kannte ich nur den Bahnhof, den dort hatte mich meine Freundin in der Zeit, als ich noch kein Auto hatte, immer abgeholt, wenn ich sie besuchte.

Dieses Mal war das anders. Ich bummelte mit meinem Mann durch Friedrichstadt und mein Mann war dort früher häufiger mit seinem Moped.

An einer Stelle erzählte er mir: „Da drüben stand ich mit meinem Moped als mich so eine kleine süße Blondine ansprach…“ Dazu grinste er nur und als er meine hochgezogenen Augenbrauen sah meinte er: „Ich kann auch nichts dafür, du warst ja nicht da.“ (Auch dazu an anderer Stelle mehr).

E. (mein Mann) wollte mir unbedingt die Häuser mit den Kanonenkugeln in den Wänden zeigen. Wir liefen also ziemlich ziellos durch die Straßen, fanden aber keine Wände mit Kanonenkugeln.

Die alten Häuser in Friedrichstadt liegen oft, ohne Vorgärten, direkt an den Wegen und häufig wachsen rechts und links neben den Haustüren Rosen. Vor einem dieser Türen schnitt gerade ein Mann an den Rosen herum. Ich schlug vor, den Mann zu fragen. E. zögerte noch, als ich schon auf den rosenschneidenden Mann zuging:

„Moin“, begann ich. „Wir suchen die Häuser mit den Kanonenkugeln in den Wänden, aber wir können sie nicht finden. Können Sie uns helfen?“

„Moin“, antwortete der Mann und steckte die Rosenschere in die Jackentasche. „Ich habe auch eine Wand mit Kanonenkugeln“, fuhr er fort.

Ich staunte – E. auch.

„Wenn Sie wollen“, sagte er, „können Sie sich die mal bei mir anschauen.“

Ich blickte an der Hauswand hoch, doch da war aber keine Kanonenkugeln.

„Die Kugeln sind an einer Wand, hinten im Garten“, erklärte der Mann, als er die fragenden Blicke bei uns sah.

Er nahm uns mit in sein Haus. Es erschien drinnen viel größer als von außen. Ein kleiner Hund folgte uns und sprang um mich herum. Ich streichelte ihn. Wir gingen an Schiffsmodellen, Skulpturen und vollen Bücherregalen vorbei, durchquerten eine Küche und standen dann in einem wunderschönen Garten, direkt am Wasser. Es gab Rosen, blühende Büsche, Rasen, eine schöne Terrasse, viel Grün und viele bunte Farben – und eine weiße Wand mit Kanonenkugeln.

Wir betrachteten die Wand und ich fragte: „Darf ich die Kugeln fotografieren? Ich fotografiere auch nichts anderes.“

Der Mann erlaubte es mir.

E. und der Mann unterhielten sich. Sie sprachen über ihre Berufe und woher sie kämen. Auch der Mann kam ursprünglich aus einer Großstadt.

Ich fotografierte die Kanonenkugeln und streichelte weiter den Hund, der mir einen Ball vor die Füße legte.

„Der will immer spielen“, sagte der Mann lächelnd. „Wenn Sie damit anfangen, werden Sie ihn nicht mehr los.“

Ich spielte mit dem Hund und die Männer unterhielten sich weiter. Sie sprachen über die Nordsee, über Friedrichstadt, dem schönen Garten und so einiges mehr.

Dann irgendwann sagte der Mann: „Ich bin der Mann von der Bürgermeisterin.“

Wir staunten wieder.

Als wir später zurück bei unseren Freunden / meiner Freundin waren, erzählten wir von unserem Erlebnis.

Ich begann mit den Worten: „Weißt du wo wir heute waren? Wir waren bei der Bürgermeisterin von Friedrichstadt im Haus.“

Herzlichst, das Licht

©️ Kaya Licht

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